Baltica09 – Kurland

31.07.2026

Den ersten Teil des Tages werden uns Anni und Johannes begleiten. Das erste Ziel des Tages liegt im Kermeru Nationalpark, 25 km westlich von Riga. Moore, Sümpfe, Schwefelquellen auf einem riesigen, kaum erschlossenen Gebiet. Mitten im Wald ein großer, unbefestigter Parkplatz, für den vier Euro fällig sind. Auf einem 4,5 km langen Bohlenweg erkunden wir das Hochmoor – lediglich ein kleiner Ausschnitt des Nationalparks. Das Moor hat beeindruckende Ausmaße, ist von vielen Tümpeln und kleinen Seen durchsetzt.

Wir fahren Richtung Riga zurück und gelangen in DAS Seebad Lettlands: Jürmala. Vorort wird eine Umweltabgabe eingefordert, die sich wiederum bequem per Nahverkehrs-App entrichten lässt. Das Städtchen weist eine große Zahl alter, schöner Villen auf, die sich reiche Rigaer bereits im 19. Jahrhundert errichten ließen. Soviel Sightseeing macht hungrig. Zielgerichtet steuern wir das oberhalb des Strandes liegende Restaurant 36.line Grill an. Der Blick von der Terrasse ist umwerfend, der Service freundlich und das Essen super.

Nur fünf Minuten entfernt liegt der Bahnhof, vor dem wir uns von Anni und Johannes verabschieden. Sie verbringen noch eine kurze Nacht in Riga und fliegen morgen nach Stockholm, um für eine Woche auf einem Segler die Schären zu durchkreuzen.

Von hier aus führt unser Weg tief in das ehemalige Kurland hinein. Wiesen, Wälder, Felder ziehen vorbei, kaum Siedlungen. Unser Ziel ist das Gutshaus Kukschen, wo wir eine Nacht verbringen werden. Die letzten 15 km fahren wir über staubige, unbefestigte Pisten. Den Einheimischen agieren wir zu vorsichtig, werden überholt und es folgen wenige Minuten Blindflug. Irre!

Dennoch erreichen wir das Gutshaus und sind erst einmal baff. Inmitten einer grünen, gepflegten Oase steht das sanierte Haus – wohl eher Schlösschen. Eine Augenweide!

Am Tresen steht ein junger Mann, der uns gleich mitteilt, dass er heute mit einigen Gästen seinen Geburtstag nachfeiert. Wir sehen rechts im Saal die gedeckte Tafel für 20 Gäste – das kann lustig werden. Da kommt aus der Küche ein Mann meines Alters, Schürze um und spricht uns auf deutsch an. Wie sich herausstellt, haben wir den Hausherren vor uns: Daniel Jahn.

Später gibt er uns eine kurze Führung durch das Schlösschen von 1800 qm Wohnfläche. Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus. In einigen Zimmern wurden unter elf Schichten Farbe Wandmalereien aus dem 18. Jahrhundert freigelegt und konserviert. Das gesamte Haus ist voller gediegener Antiquitäten: Möbel, Geschirr, Figurinen, Gemälde. Unglaublich. Jedes Zimmer ist individuell eingerichtet. 1999 hat er das heruntergekommene Gebäude erworben und über sechs Jahre sanieren lassen. Eine kurze Recherche ergibt, dass er in Riga nach der Wende ein Grand-Hotel aufbaute, mehrfach geehrt wurde und hier seinen Traum lebt.

01.08.2026

Die Nacht gehörte nicht dem erwarteten Quaken der Frösche. Wir wurden – unfreiwillig – Zeuge einer ausgelassenen, sanges- und feierfreudigen lettischen Geburtstagsrunde. Zum Frühstück um acht begrüßt uns Daniel zwar mit kleinen Augen, aber mit einem Frühstück für Zwei nach Gutsherrenart. Wow! Übrigens: Das Porzellan ist Original Kahla Zwiebelmuster …

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