Usedom – Eine Nachlese

Als Abschluss unserer Reise durch das Baltikum und Polen erschien uns eine Woche auf Usedom zur Verarbeitung des Erlebten, zum Entspannen am Strand und in der Natur und zur Spurensuche sehr geeignet. Von Swinousje kommend erreichen wir am 15.8.26 zunächst Ahlbeck als erstes der „Kaiserbäder“. Es ist nicht zu bestreiten: Ahlbeck vermittelt einen mondänen Eindruck. Gleichzeitig hinterlässt die dichte Bebauung zwiespältige Gefühle.

Aber unser eigentliches Ziel ist Ückeritz. In der Waldstraße, am Rand des Küstenwaldes, beziehen wir das Ferienhaus „Klare Kante“. An diesem Haus hat ein Architekt seine Vision vom modernen Bauen und Gestalten verwirklicht. Alles scheint bis in das kleinste Detail durchdacht zu sein – hier lässt es sich aushalten!

Neben diesem Haus gibt es noch weitere Gründe, dass es ausgerechnet Ückeritz sein sollte.
Ab Mitte der 60iger bis in die 70iger Jahre haben meine Eltern und ich jeden Sommerurlaub – bis auf ein, zwei Ausnahmen – in den Bungalows der PGH „Raum und Farbe“ am Rande des Zeltplatzes verbracht (PGH = Produktionsgenossenschaft des Handwerks). Die Bungalows gibt es längst nicht mehr, aber bei einem Spaziergang Richtung Bodden passieren wir das „Deutsche Haus“ im Ortskern des alten Fischerdorfs. Das existiert also immer noch! Aber noch interessanter erwies sich die Existenz der Eisdiele am Achterwasser. Familiengeführt in dritter Generation. In meiner Erinnerung ein Fixpunkt jedes Urlaubs. Auf dem Foto steht handschriftlich: 1971 Urlaub an der Ostsee Am Achterwasser.

Heute gibt es hier eine Surf- und Segelschule und ein traumhaft gelegenes Restaurant „Café Knatter“.


Vom Ferienhaus gehen wir lediglich eine Viertelstunde durch den Dünenwald bis zu Steilküste. Die überaus solide wirkende Treppe ermöglicht den Strandzugang und dann einen langen Strandspaziergang Richtung Bansin. Obwohl das Wetter bestens ist, sind nur wenige Menschen am Strand zu sehen – ganz anders als in Ahlbeck. Hinter dem Strand zieht sich durch den Küstenwald der immer noch riesige Zeltplatz wie zu DDR-Zeiten, aber nicht mehr bis Bansin hinüber.

Usedom abseits der Strände

Leider müssen wir bekennen: Wir sind keine Strandmenschen, die sich Burgen bauen und den Tag am Strand verbringen. Das ist uns zu langweilig. So nimmt es nicht Wunder, dass wir Wanderungen im „Hinterland“ Usedoms unternommen haben. Eine Wanderung führt von Bansin ausgehend Richtung Süden durch die „Usedomer Schweiz“. Okay, ein wenig hügelig ist es schon, aber muss es gleich eine „Schweiz“ sein? Nach 16 km zeigt Komoot 250 Höhenmeter – immerhin. Die Tour führt vorbei am Großen Krebssee und am Ufer des Schmollensees entlang. Vom Aussichtspunkt auf dem Kuckelsberg (stolze 58 m üNN) sehen wir den Gothensee. Uns war gar nicht bewusst, wie viele Binnenseen Usedom aufweist.

So richtig flach erweist sich die Tour rund um den Lieper Winkel, eine Halbinsel, die in das Achterwasser hineinragt. Der Uferweg führt uns knapp 17 km rundherum, zumeist in völliger Einsamkeit wandernd. Neben dem Hauptort Liepe kommt man nur durch drei winzige Weiher. Die meiste Zeit schweift der Blick über endlose Wiesen und Äcker. Die Sicht auf Achterwasser oder Peenestrom verhindert häufig der ausgedehnte Schilfgürtel.


Die Kurverwaltung von Ückeritz sichert mit dem Erwerb der Kurkarte freie Fahrt mit der Usedomer Bäderbahn UBB zu. Das gilt es zu nutzen! Und so fahren wir eines Morgens nach Koserow. Zunächst führt uns der Weg zum Strand. Die moderne, geschwungene Seebrücke begeistert uns. Wir laufen entlang der Steilküste zu deren höchstem Punkt, immerhin gute 50 m über den Meeresspiegel und gelangen nach und an den Kölpinsee. Zur Seeseite hin wurde eine Promenade angelegt, der wir folgen. Schließlich ist die Steilküste bei Ückeritz erreicht und unser Ferienhaus nur einen Katzensprung entfernt.

Die Kaiserbäder

Zu Ahlbeck siehe oben. Bansin erschien uns von Touristen überlaufen zu sein und versprühte wenig Charme. Natürlich gibt es mondäne Hotels, die die Uferlinie beherrschen. So haben wir nach unserer Tour durch die Usedomer Schweiz auf der Terasse des Hotels „aja Bansin“ – in Wanderklamotten – angenehm gesessen und gegessen. Silke wollte unbedingt noch die Seebrücke sehen – sehr schlicht.
Heringsdorf ist ohne Zweifel ein Negativbeispiel, wie man einem Ort jeglichen Charme austreiben kann. Die Seebrücke ist zu zu einem Billig- und Andenkenladen verkommen. Neben vielen gesichtslosen Neubauten vermag noch die eine oder andere weiße Villa zu finden sein, die sind aber rar. Aber dann gibt es noch „Weinander“ in der Friedenstraße mit einem sehr freundlichen, gesprächigen und kompetenten Inhaber und einer hervorragenden Auswahl ausschließlich deutscher Weine. Wow!

Usedom lockt immer noch viele Menschen in den Strandurlaub. Für Ruhesuchende lohnt sich das Hinterland abseits der Strände zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erkunden.