Baltica08 – Riga


Schweren Herzens verlassen wir die Villa Ammende Richtung Süden, immer parallel zur Küstenlinie. Man muss schon aufpassen, um den Grenzübertritt von Estland nach Lettland zu registrieren. Im Örtchen Ainazi, gleich hinter der Grenze, halten wir an. 1912 hat man hier mit dem Aufschütten eines fast 600 m langen Dammes begonnen, der den Hafen schützen sollte. Die Mole besteht aus geschichteten Granitbrocken und lädt zum Kraxeln ein. Was für eine Eierei!


Gleich nebenan findet sich eine Pizzeria in Bestlage über dem Ufer des Flusses Salaca, der hier ins Meer mündet. Nur 500 m stromaufwärts befindet sich der Neunaugenfischzaun, an dem zur Laichzeit die lichtscheuen Urfische gefangen werden.


Nächster Stopp ist die Weiße Düne von Saulkrasti. Von ihren Höhen haben wir einen schönen Blick über die Rigaer Bucht.

Letztlich rollen wir gegen 16:30 Uhr in Riga ein. Mehr als 600 000 Einwohner, eine völlig ungewohnte Verkehrsdichte bis hin zu Stau. Unsere Hotels liegen am Rande der Altstadt nur wenige Meter auseinander. Anni und Johannes logieren im Gutenbergs, wir im Domehotel. Der Ernst des Lebens beginnt mit der Fahrt zur Luftlinie 500 m entfernten Tiefgarage. Grönemeyer kommt uns in den Sinn – Ich fahre schon seit Stunden … Immer wieder vereiteln Einbahnstraßen und Linksabbiegeverbote das Erreichen des Ziels. Irgendwann ist’s geschafft und Vadder braucht ein Bier!

Die Innenstadt ist zum Mittwochabend voller Leute. Eine Gruppe fällt auf: Weißes Hemd / Bluse und eine olle Badekappe als Glatze. Viele junge Frauen darunter. Des Rätsels Lösung: Der DJ PitBull sollte ein Konzert geben am heutigen Abend – das wurde abgesagt. Und so feierte man halt in den zahlreichen Bars und Kneipen 🙂

30.07.2026


Um zehn Uhr treffen wir vor der Petrikirche unseren Guide Artus, der uns in den nächsten knapp zwei Stunden eine erkenntnisreiche und launige Führung durch die Altstadt bietet. Wir lernen, dass das eine oder andere mittelalterlich aussehende Haus von polnischen Restauratoren kunstfertig im Stil der Zeit rekonstruiert wurde, dass zu Sowjetzeiten wenig Interesse an historischer Substanz bestand (wer hätte das gedacht), dass Fremdenführer auch `mal Anekdoten erfinden und wie groß der deutsche Einfluss war. Allein die Gründung der Stadt 1201 durch Bischof Albert von Bremen ist dafür ein Indiz.


Nunmehr auf eigene Faust durchqueren wir die Stadt und tauchen hinein in das Jugendstilviertel. Wow! Eine Vielzahl auf das Feinste sanierte Villen mit zahlreichen Details erfreuen das Auge (vor allem in der Alberta iela)

Weiter geht’s per Straßenbahn zu den Markthallen am Bahnhof. Es gibt eine App (natürlich!) für den Nahverkehr, die problemlos funktioniert. Die Hallen sind ursprünglich für den Bau von Zeppelinen vorgesehen gewesen, wurden abgebaut und in Riga wieder aufgebaut. Heute nennt man das nachhaltig. Das Angebot an Gemüse, Früchten, Fisch und Fleisch ist beeindruckend. Für einen kleinen Imbiss müssen wir regelrecht anstehen, um einen freien Tisch zu ergattern. Die Gerichte sind frisch, bodenständig (z.B. kalte Rote Bete Suppe) und gut.

Mit der Straßenbahn gelangen wir an den Bootsanleger am Kanal, der sich durch die Altstadt schlängelt. Mit einer schönen alten Holzbarkasse schippern wir durch den Kanal hinaus auf die Daugava, den mächtigen Fluss, der bei Riga in die Ostsee mündet.

Zu guter Letzt finden wir gerade noch Zeit, um dem Dom zu Riga unsere Aufwartung zu machen. Ein beeindruckendes Gotteshaus mit wechselvoller Geschichte. Im Kreuzgang findet sich ein Denkmal für den Stadtgründer Albert von Bremen. Nicht zuletzt für seine imposante Orgel ist der Dom berühmt – irgendwo schlummert da noch eine Eterna-LP mit Aufnahmen …


Die vielfältigen Eindrücke gilt es bei einem Abendessen zu verarbeiten. Ein wunderbares Ambiente bietet dafür das Restaurant auf der Dachterrasse des Hotels Gutenberg. Sowohl das Essen wie auch die Aussicht sind phänomenal. Dringende Empfehlung!

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