Kiwi02 – Banks Peninsula & Akaroa

Freitag, 16.10.2026

Wir verlassen Christchurch und nehmen Route 75 in Richtung Banks Peninsula. Zunächst verläuft die Straße gemütlich durch ausgedehnte Weideflächen, wenig Verkehr. Aber dann geht’s in die Berge, es wird kurvig und steil. Die Halbinsel ist vor sechseinhalb Millionen Jahren aus drei Vulkanen entstanden und unser Ziel Akaroa liegt in der Caldera des südlichen ehemaligen Vulkans. Die höchsten Erhebungen haben um die 800 Meter. Der wenige Verkehr ist vor allem gut bei den Roundabouts.

Wir erreichen Akaroa unbeschadet 😉 Die Siedlung wurde 1840 von französischen Siedlern gegründet und scheint sich dieser speziellen Stellung bewusst zu sein: Allerorst sind neben der neuseeländischen Flagge auch die Trikolore oder drei Lilien zu sehen. Folgerichtig heißt das angesteuerte Restaurant „Ma Mason“ und hält delikate Speisen und Weine bereit.

Die Einfahrt zu unserer Unterkunft, dem B&B „Beaufort House“, einer kolonialen Villa von 1890, ruft bereits ein „Wow!“ hervor. Der Garten ist eine Augenweide und wird von einem mächtigen Banya-Banya-Tree – einer Araukarienart – beherrscht.
Unsere Gastgeberin Sharon begrüßt uns am Entreé und weist in die Geheimnisse des Hauses ein. Sie sammelt alle Arten von Antiquitäten, ihr Mann ist ein passionierter Segler und steuert Maritimes bei. Die beiden Salons im Parterre sind die reinsten Antiquitätenläden. Vom Kaminsims wird uns jeden Morgen der Geheime Rath von Goethe beäugen.

Wer zum Himmel staubt den ganzen Nippes ab? Unser Zimmer ist ebenso vollständig mit antikem Mobiliar ausgestattet. Selbst im Bad ist der Duschkopf aus solidem Messing. Interessantes Detail: Wie auch schon im B&B in Christchurch hat auch hier das Bett eine elektrische Heizdecke als Unterbett. Das ist scheinbar der Ausgleich zu der winzigen elektrischen Heizung. Nicht ohne Stolz wird uns verkündet, dass am vorigen Wochenende der Botschafter Frankreichs mit Entourage zu Gast war. Grund: Das alljährlich stattfindende French-Festival. Wir sind beeindruckt.

Um 18 Uhr sind wir eingeladen zum Jour fixe mit mehreren Glas Wein und Häppchen. Insbesondre der vom Hausherrn geräucherte Lachs ist zum Niederknien.

Wir sind derzeit die einzigen Gäste. Trotzdem ist der Salon opulent eingedeckt und es fehlt an nichts. Träumchen.

Nach dieser reichlichen Kalorienzufuhr tut Bewegung Not. Das Akaroa-County hält auf seiner Website eine Reihe von Vorschlägen für Wanderungen bereit, die sich 1:1 in der Komot-App wiederfinden. Wir entschließen uns für eine Tour, die uns über den Woodills Track zunächst steil nach oben über eine Seitenstraße, später durch Wald und über Weiden hinauf zum Heritage Garden führt. Eine bemerkenswert gepflegte Anlage. Über den Curry Track und das Grehan Valley führt der Weg uns wieder hinunter nach Akaroa. Zeit für Lunch und Recreation.

Denn um 17:30 Uhr haben wir einen Termin: Treffen zur Pinguin-Tour. Insgesamt sind wir 16 Touris, die auf zwei allradgetriebene Kleinbusse verteilt werden und auf aberwitzigen Straßen hinunter in die Pohatu Bay fahren. Nebenbei informiert uns die junge Frau am Steuer beispielsweise darüber, dass Akaroa 740 Einwohner hat und in der Hauptsaison bis zu 15000 Touristen den Ort bevölkern. 80 % der Immobilien sind Ferienunterkünfte!

Am Rande der Farm, die das gesamte Areal der Bucht und das Hinterland umfasst, gibt es eine Kolonie von Zwergpinguinen, der kleinsten von insgesamt 18 Pinguinarten. Seit Jahren wird die Kolonie beobachtet und es wurden mehr als 200 Nisthilfen installiert. Aber nach dem Eintreffen auf der Farm umringen uns Schafe, ziemlich aufdringlich. Dann dürfen Lämmer mit Milchflaschen gefüttert werden, für die Adults gibt es Kraftfutter aus der Hand. Okay.

Wir bekommen Tarn-Ponchos und Ferngläser und die Expedition geht los. Über das Monitoring weiß unser Guide genau, welche Box bebrütet wird. Bei zwei Boxen lüftet sie für fünf Sekunden den Deckel und wir sehen den blauen (!) brütenden Pinguin zum Greifen nah. Toll! Von einem Unterstand aus beobachten wir, wie zwei, drei, vier Pinguine am Ufer hin und her watscheln. Erst wenn es total dunkel ist, werden sie den Weg zu ihren Nestern antreten. Im Extremfall liegen diese bis zu 200 m hoch und die kleinen Kerle benötigen zwei Stunden, um es zu erreichen.

Ein beeindruckender Ausflug und jeden Cent wert!

Sonntag, 18.10.26

Seit gestern sind Gäste dazu gekommen. Ein Ehepaar und deren Eltern aus Australien und eine Deutsche aus München. Die Konversation beim Frühstück mit den Aussis ist schwierig. Das Geknödel ist nur schwer zu verstehen. Die allein reisende Dame ist – wie sich später herausstellt – Managerin bei BMW und steht vor einem Wechsel zu Mercedes. Die Zeit zwischen den Jobs füllt sie mit einem Trip durch Neuseeland. Wir tauschen uns über Wanderrouten aus, denn heute geht es wieder hinauf. Unser Ziel ist der Stony Bay Peak. Diesmal bewegen wir uns vorwiegend über Weideland und auf schmalen Pfaden hinauf auf ca. 700 m. Der Peak ist auf 806 m üNN, wir nehmen vorher eine Abkürzung. Die Aussicht über die Caldera einerseits und die Buchten am Pazifik andererseits ist genial. An einer Stelle sehen wir in 200 km Entfernung die schneebedeckten Gipfel der Kaikoura Mountains, der nördlichen Ausläufer der Südalpen. Das lohnt den schweißtreibenden Aufstieg! Insgesamt sind wir dreieinhalb Stunden unterwegs und begegnen sage und schreibe lediglich vier Wanderern. Übrigens sind die Wanderwege sehr gut markiert und man kann sich selbst ohne Karte gut orientieren.

Gegen halb drei sind wir wieder auf NN angekommen. Das „The Common Café and Garden Bar“ hat erfreulicherweise durchgehend warme Küche und wunderbare Beef-Burger nebst selbstgemachten Pommes sind unser. Interessanterweise gibt es hier einen Wiener Kaffee vom allerfeinsten. Die junge Frau am Tresen fragt, woher wir kommen (wie so viele) und spricht gleich auf deutsch weiter. Wie sich herausstellt ist sie auf Work-and-Travel in NZ unterwegs.

Am Abend wiederum Jour fixe, diesmal ist auch unser Gastgeber Noel dabei und es sind launige anderthalb Stunden, die wir auf der Terrasse verbringen, wiederum bei Wein und Häppchen.

Montag, 19.10.2026

Der Vormittag steht unter dem Motto: Riding with the Postman. Pünktlich um neun sammelt uns Jeff, der Postbote, am vereinbarten Treffpunkt ein und nimmt uns mit auf seine Tour zu den entlegenen Farmen und Buchten nördlich von Akaroa. Uns stehen fünf Stunden mit atemberaubenden Eindrücken bevor. Es ist quasi eine Privat-Tour, denn wir sind die einzigen Mitfahrer.


In einem Halbkreis von West nach Ost verläuft längs des Kammes der Caldera um Akaroa Habour die Summit Road zwischen 500 und 670 m üNN. Von dort führen steile Straßen, Sträßchen oder bessere Feldwege in die einzelnen Buchten hinunter. Jeff weist immer wieder auf Sehens- und Bemerkenswertes hin. Unser erster Stopp in der Pigeon Bay führt zurück in die zwanziger Jahre, als hier noch deutlich mehr Menschen lebten als heute. Erhalten aus dieser Zeit ist ein Gemeindehaus mit einer überraschend großen Dancehall mit wippendem Parkettboden. Ein anderes Highlight ist die Kirche in Little Akaloa, die maßgeblich von Mr John Henry Menzies finanziert und gebaut wurde und mit einem sorgfältig mit Schnitzereien versehenen Dachgebälk beeindruckt. Vor diesem Bau läd Jeff zu einem kleinen Picknick ein.

Die einzelnen Buchten sind nicht untereinander über Straßen verbunden, abgesehen von einer Ausnahme. Vielfach lebt nur eine Familie auf der Farm, die an die Bucht angrenzt. Also heißt das: Von der Summit Road hinunter in die Bucht A, wieder hinauf und hinunter in Bucht B usw. Letzter halt ist Le Bons Bay und wir haben eine Viertelstunde Zeit, um am menschenleeren Sandstrand entlang zu laufen. Ständig lebt hier unten nur ein Ehepaar, sonst gibt es nur Ferienhäuser. Aber sonst gibt’s nichts – kein Laden, kein Restaurant, keinerlei touristische Infrastruktur. Wahnsinn.

Vielleicht wären wir selbst in eine der Buchten gefahren, mit Schweiß auf der Stirn 🙂 Aber so haben wir einen unvergleichlichen Einblick erhalten. Danke Jeff! It was amazing!

Kiwi01 – Christchurch

Donnerstag, 15.10.2026

Zur Ortszeit NZ acht Uhr ist es in Singapur drei Uhr. Davon lässt sich das wie immer perfekt gestylte Kabinen-Personal nicht abhalten und beginnt mit dem Frühstücks-Service. Die Härte! Knapp drei Stunden später ist auch dieser Flug überstanden und uns erwarten die neuseeländischen Pass- und Zollformalitäten. Erster Eindruck: Die Beamten sind entspannter, als die restriktiven Online-Dokumente es erwarten lassen. Passkontrolle: Durch. Zollkontrolle in der Lane „Nothing to Declare“: Koffer und Rucksäcke werden durchleuchtet, die Koffer aussortiert. Und es ergab sich der folgende Wortwechsel:

„Gehört der Koffer Ihnen?“
„Ja“
„Haben Sie Trekkingschuhe darin?“
„Ja“
„Sind die Schuhe neu?“
„Nein, aber gereinigt.“
„Wie haben Sie die Schuhe gereinigt?“
„Mit Wasser und einer Bürste.“
„Okay, viel Spaß in Neuseeland.“

Kein Auspacken und Vorzeigen, nichts. Zum Schluss kommt noch ein Beamter mit Hund. Das Tier beschnüffelt uns und die Koffert, schlägt nicht an und so sind wir durch. Uffz!

Am Airport Christchurch

Eigentlich sollen wir abgeholt werden – aber niemand lässt sich blicken. Schließlich sehe ich einen Wagen der Firma, die uns annonciert wurde. Aber Barrie, um die 70, schwarzer Anzug und super freundlich, weiß von nichts, der angerufene Operater ebensowenig. Aber Barrie fährt uns zum B&B in die Gloucester Street 42 🙂 Nebenbei bekommen wir während der Fahrt Hinweise zur Stadt, zu ihrer Geschichte. Und Barrie empfiehlt uns als Mittel gegen das Jetlag einen langen Spaziergang. Einfach herrlich.

Im Orari B&B werden wir von der Hausherrin Vally begrüßt und mit den Eigenheiten der viktorianischen Villa von 1893 vertraut gemacht. Highlight: Ein Kofferaufzug in die erste Etage.

Wir nehmen Barries Hinweis ernst und brechen auf zur Stadterkundung. Zunächst in einen herrlich weitläufigen englischen Park. Einen Teil bildet der Botanische Garten von Christchurch. Blühende Rhododendren, Azaleen, Zierkirschen: Frühling!

Entlang des Flusses gelangen wir schließlich nach Downtown. Ziemlich nüchtern, zahlreiche Läden. Schließlich findet sich ein Lokal, was auch noch 2 pm einen Lunch anbietet. Es gibt u.a. super leckeren pazifischen Lachs und – welch Überraschung – trinkbaren Sauvignon Blanc.

Beim abendlichen Lesen klappen ziemlich bald die Augenlider zu. Good night.

Freitag, 16.10.2026

Uns wird ein ordentliches Frühstück serviert. Wir checken aus, lassen die Koffer stehen und laufen 20 Minuten zur AVIS-Station. Die üblichen Formalitäten brauchen etwas Zeit, aber dann dürfen wir den Mitsubishi ASX für die nächsten 31 Tage in Empfang nehmen nicht ohne den wohlgemeinten Rat: We always drive left! Danke, werde mich dran halten! Die 800 m zurück zum B&B fahren sich gut. Koffer eingeladen und los geht’s Richtung Banks Peninsula.

Fortsetzung folgt …

Singapur – Allenthalben Superlative

Sonntag, 11.10.2026

Unsere Reise an das andere Ende der Welt beginnt sehr entspannt am Nachmittag. Erst 18:40 Uhr soll unser Flug nach Frankfurt starten. So die Theorie. Die Praxis: 40 Minuten Verspätung und die bange Frage: Sehen wir in Singapur unsere Koffer?

Zunächst betreten wir das derzeit größte Flugzeug, einen Airbus A380 – 800. In unmittelbarer Nähe zu den Treppen, die wahlweise in die First- oder Business-Class auf dem Oberdeck führen, dürfen wir in unseren recht bequemen Sitzen Platz nehmen. Bald machen wir Bekanntschaft mit den sorgfältig gestylten Damen und Herren des Service. Die Maschine startet pünktlich um 21:40 Uhr und landet nach reichlich 12 Stunden auf dem Singapur Changi Airport.

Montag, 12.10.2026

Es ist 16 Uhr Ortszeit, wir haben sechs Stunden Zeitunterschied. Der erste Eindruck vom Flughafen: Wow, was für Dimensionen!

Die notwendige Einreiseerklärung für den Zoll haben wir noch zuhause eingereicht, so dass wir die Passkontrolle problemlos absolvieren. Die Koffer sind auch da! Auf zum Taxistand. Eine Wand aus feuchtwarmer Luft schlägt uns entgegen. So fühlen sich also 30° C und 95 % Luftfeuchte an! Das Taxi ist dagegen kalt, soweit ist die Klimaanlage herunter geregelt. Über zum Teil sechsspurige Straßen erreichen wir unser Ziel, das Oasia Downtown Hotel. Ein Hochhaus unter vielen in der City, aber das Gebäude sticht heraus durch seine vertikale Begrünung. Die Lobby befindet sich in der 12. Etage, eine Seite offen zur Stadt. Wir erhalten unsere Keycards und fahren mit einem anderen Fahrstuhl in die 14. Etage, wo unser gut klimatisiertes Zimmer liegt.

Gegenüber dem Hotel liegt ein teilweise überdachter (!) Park, mittendrin einige Lokale. Eines davon ist als mexikanisch deklariert, egal das Essen schmeckt und es ist nicht weit ins Bett. Die feuchte Wärme und das Jetlag fordern ihren Tribut – das Bett ruft.

Dienstag, 13.10.2026

Nach dem Frühstück brechen wir auf in den Botanischen Garten. Vom Hotel sind es zehn Minuten Fußweg bis zur U-Bahnstation der Circle-Line. Ein freundlicher Mitarbeiter weist uns ein: Kreditkarte ans Zugangs-Terminal halten und rein. Sowohl die Station als der führerlose (!) Zug sind geradezu klinisch sauber; sehr beeindruckend.

Die Orientierung ist problemlos möglich und so erreichen wir die Haltestelle, die sich direkt neben dem Tor zum Botanischen Garten befindet. Cool!

Der Garten kostet keinen Eintritt, hat beträchtliche Ausmaße und es macht einfach Spaß, die gepflegten Anlagen zu genießen. Ein Highlight ist der Orchideen-Garten. Für den ist Eintritt fällig. Erwachsene 15 S$, Senioren (ab 60) nur 3 S$! Schnäppchen!

Die Pracht und die Vielfalt der Blüten ist unvergleichlich. In heimischen Breiten gibt es dafür ein Orchideenhaus, hier ist das nicht erforderlich. Aber es gibt ein gekühltes Orchideenhaus!! Na klar, darin finden wir die Spezies vor, die es auch bei uns zu kaufen gibt. Mit der U-Bahn geht zurück zum Hotel. Kurze Verschnaufpause, Siesta und schon geht’s weiter.

Zu Fuß bewegen wir uns durch die Häuserschluchten in Richtung der Garden by the Bay. Das ikonische Hotel Marina Bay Sands mit seinen von einem „Schiff“ gekrönten drei Hochhaustürmen ist schon von Weitem sichtbar. Was für eine architektonische Meisterleistung! Dem Hotel gegenüber erstrecken sich die weitläufigen Gartenanlagen, deutlich touristischer ausgerichtet als der Botanische Garten. Erste Attraktion sind die sogenannten „Super-Trees“, die über einen Skywalk verbunden sind. Im höchsten dieser 20 bis 50 Meter hohen Gebilde befindet sich eine Aussichtsplattform, von der man einen guten Überblick über das Bay-Area hätte – wenn denn nicht der allgegenwärtige Smog das verhindern würde.

Das nächste Highlight sind die beiden riesigen Klimahäuser. Im „Flower Dome“ herrscht mediterranes Klima. Massen von Menschen bestaunen Olivenbäume, insbesondre Inder lichten sich gegenseitig im Sonnenblumenfeld ab, dem als Hintergrund ein französisches Dorf aus Pappmaché beigegeben ist. Spannender ist der „Cloud Forest“. Die Halle wird von einem 35 m hohen künstlichen Wasserfall beherrscht, um den herum sich ein Höhenweg windet.

Auf dem Weg zurück zum Hotel kommen wir an einem der Food-Markets vorbei. Hier ist längs einer der Seiten die Straße abgesperrt und mit Tischen vollgestellt, an denen Menschenmassen sitzen und Saté-Spieße futtern. Darauf haben wir keine Lust und finden eine lebhafte Hotel-Bar, die auch zu Essen anbietet und gut klimatisiert ist.

Uns wurde ein late checkout offeriert. Spätes Frühstück, Zollerklärung für Neuseeland, Koffer packen und 12 Uhr verlassen wir das Hotel in Richtung Flughafen. Interessant: Die Taxifahrt zum Flughafen ist um einiges preiswerter als die Fahrt vom Flughafen in die Stadt.

Wir lernen, dass Singapore Airlines bereits 24 h vor Abflug das Gepäck entgegen nimmt. Die Dame am Counter möchte zuvor aber noch die Buchung für den Rückflug von Neuseeland wohin auch immer sehen. Hm, wo war das noch mal. Findet sich, alles klar, Gepäck sind wir los. Und können uns unbeschwert den Attraktionen dieses gigantischen Flughafens widmen. Der Weg führt uns zielgerichtet zum „Jewel“, dessen Hauptattraktion ein gigantischer Wasserfall ist. Auf fünf Ebenen wechseln Shops, Boutiquen und Restaurants einander ab – unglaublich.

Selbst nach der Passkontrolle, also im Transitbereich, sind alle großen und bekannten Marken vertreten. Die Organisation der Sicherheitskontrollen ist interessant: Jeweils eine Stunde vor dem Flug fängt der Sicherheitscheck an. Mehrere Gates sind dafür zusammengefasst, bei uns A1 bis A8.

Um 19:50 Uhr geht der Flug planmäßig Richtung Christchurch ab, wiederum mit Singapore Airlines, schlappe neuneinhalb Stunden.

Usedom – Eine Nachlese

Als Abschluss unserer Reise durch das Baltikum und Polen erschien uns eine Woche auf Usedom zur Verarbeitung des Erlebten, zum Entspannen am Strand und in der Natur und zur Spurensuche sehr geeignet. Von Swinousje kommend erreichen wir am 15.8.26 zunächst Ahlbeck als erstes der „Kaiserbäder“. Es ist nicht zu bestreiten: Ahlbeck vermittelt einen mondänen Eindruck. Gleichzeitig hinterlässt die dichte Bebauung zwiespältige Gefühle.

Aber unser eigentliches Ziel ist Ückeritz. In der Waldstraße, am Rand des Küstenwaldes, beziehen wir das Ferienhaus „Klare Kante“. An diesem Haus hat ein Architekt seine Vision vom modernen Bauen und Gestalten verwirklicht. Alles scheint bis in das kleinste Detail durchdacht zu sein – hier lässt es sich aushalten!

Neben diesem Haus gibt es noch weitere Gründe, dass es ausgerechnet Ückeritz sein sollte.
Ab Mitte der 60iger bis in die 70iger Jahre haben meine Eltern und ich jeden Sommerurlaub – bis auf ein, zwei Ausnahmen – in den Bungalows der PGH „Raum und Farbe“ am Rande des Zeltplatzes verbracht (PGH = Produktionsgenossenschaft des Handwerks). Die Bungalows gibt es längst nicht mehr, aber bei einem Spaziergang Richtung Bodden passieren wir das „Deutsche Haus“ im Ortskern des alten Fischerdorfs. Das existiert also immer noch! Aber noch interessanter erwies sich die Existenz der Eisdiele am Achterwasser. Familiengeführt in dritter Generation. In meiner Erinnerung ein Fixpunkt jedes Urlaubs. Auf dem Foto steht handschriftlich: 1971 Urlaub an der Ostsee Am Achterwasser.

Heute gibt es hier eine Surf- und Segelschule und ein traumhaft gelegenes Restaurant „Café Knatter“.


Vom Ferienhaus gehen wir lediglich eine Viertelstunde durch den Dünenwald bis zu Steilküste. Die überaus solide wirkende Treppe ermöglicht den Strandzugang und dann einen langen Strandspaziergang Richtung Bansin. Obwohl das Wetter bestens ist, sind nur wenige Menschen am Strand zu sehen – ganz anders als in Ahlbeck. Hinter dem Strand zieht sich durch den Küstenwald der immer noch riesige Zeltplatz wie zu DDR-Zeiten, aber nicht mehr bis Bansin hinüber.

Usedom abseits der Strände

Leider müssen wir bekennen: Wir sind keine Strandmenschen, die sich Burgen bauen und den Tag am Strand verbringen. Das ist uns zu langweilig. So nimmt es nicht Wunder, dass wir Wanderungen im „Hinterland“ Usedoms unternommen haben. Eine Wanderung führt von Bansin ausgehend Richtung Süden durch die „Usedomer Schweiz“. Okay, ein wenig hügelig ist es schon, aber muss es gleich eine „Schweiz“ sein? Nach 16 km zeigt Komoot 250 Höhenmeter – immerhin. Die Tour führt vorbei am Großen Krebssee und am Ufer des Schmollensees entlang. Vom Aussichtspunkt auf dem Kuckelsberg (stolze 58 m üNN) sehen wir den Gothensee. Uns war gar nicht bewusst, wie viele Binnenseen Usedom aufweist.

So richtig flach erweist sich die Tour rund um den Lieper Winkel, eine Halbinsel, die in das Achterwasser hineinragt. Der Uferweg führt uns knapp 17 km rundherum, zumeist in völliger Einsamkeit wandernd. Neben dem Hauptort Liepe kommt man nur durch drei winzige Weiher. Die meiste Zeit schweift der Blick über endlose Wiesen und Äcker. Die Sicht auf Achterwasser oder Peenestrom verhindert häufig der ausgedehnte Schilfgürtel.


Die Kurverwaltung von Ückeritz sichert mit dem Erwerb der Kurkarte freie Fahrt mit der Usedomer Bäderbahn UBB zu. Das gilt es zu nutzen! Und so fahren wir eines Morgens nach Koserow. Zunächst führt uns der Weg zum Strand. Die moderne, geschwungene Seebrücke begeistert uns. Wir laufen entlang der Steilküste zu deren höchstem Punkt, immerhin gute 50 m über den Meeresspiegel und gelangen nach und an den Kölpinsee. Zur Seeseite hin wurde eine Promenade angelegt, der wir folgen. Schließlich ist die Steilküste bei Ückeritz erreicht und unser Ferienhaus nur einen Katzensprung entfernt.

Die Kaiserbäder

Zu Ahlbeck siehe oben. Bansin erschien uns von Touristen überlaufen zu sein und versprühte wenig Charme. Natürlich gibt es mondäne Hotels, die die Uferlinie beherrschen. So haben wir nach unserer Tour durch die Usedomer Schweiz auf der Terasse des Hotels „aja Bansin“ – in Wanderklamotten – angenehm gesessen und gegessen. Silke wollte unbedingt noch die Seebrücke sehen – sehr schlicht.
Heringsdorf ist ohne Zweifel ein Negativbeispiel, wie man einem Ort jeglichen Charme austreiben kann. Die Seebrücke ist zu zu einem Billig- und Andenkenladen verkommen. Neben vielen gesichtslosen Neubauten vermag noch die eine oder andere weiße Villa zu finden sein, die sind aber rar. Aber dann gibt es noch „Weinander“ in der Friedenstraße mit einem sehr freundlichen, gesprächigen und kompetenten Inhaber und einer hervorragenden Auswahl ausschließlich deutscher Weine. Wow!

Usedom lockt immer noch viele Menschen in den Strandurlaub. Für Ruhesuchende lohnt sich das Hinterland abseits der Strände zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erkunden.

Baltica14 – Die Marienburg und Rügenwalde

14.08.2026

Wir nehmen uns Zeit für einen Abstecher Richtung Süden zur Marienburg, nach Malbork.
Am der Burg gegenüberliegenden Ufer der Nogat gibt es gut erreichbare Parkplätze. Von der Fußgängerbrücke gewinnen wir einen ersten Eindruck von den gewaltigen Dimensionen der Burganlage. Die Tickets haben wir am Vortag online erworben. So muss uns die Schlange an der Kasse nicht interessieren und wir lassen uns gleich einen Audioguide aushändigen. Entweder diese Option oder eine Führung – anders kann man die Burg nicht betreten.

Die Tonspur ist von einem deutschen Sprecher eingesprochen und wird uns nahezu drei Stunden (!) durch das Areal geleiten, was sehr gut funktioniert.

Die Anfänge der Burg gehen auf das 13. Jahrhundert zurück, als die Hochburg vom Orden der Brüder vom Deutschen Hospital Sankt Mariens in Jerusalem – dem Deutschritterorden – errichtet worden ist. Nachdem die Rittersleut im Heiligen Land Fersengeld geben mussten, haben sie den Nord-Osten als das Gebiet auserkoren, dessen Bewohner zum rechten Glauben bekehrt werden sollten. Im Laufe der Zeit entstand eine der größten Niederungsburgen Europas, mit Sicherheit der größte Ziegelsteinbau.


Die Führung beginnt in der Vorburg, die im Mittelalter im Wesentlichen der Versorgung der Burginsassen diente. Am Tor zur Mittelburg werden die Tickets kontrolliert. Obwohl unser Zeitslot noch nicht heran ist, werden wir eingelassen. Vom Innenhof aus erkunden wir Nacheinander den Hochmeister-Palast, den Sommer- und den Winter-Remter (Speisesaal). Letzterer war mit einer ausgeklügelten Warmluft-Heizung ausgestattet. An den Kapitellen der Säulen ist noch der mittelalterliche Figurenschmuck zu sehen. Schon im 19. Jahrhundert verfielen Teile der Burg und Wilhelm II. ließ sie wieder aufbauen – im neogotischen Stil. Also auch hier ist nicht alles Mittelalter, was so aussieht. Dazu kommen die Zerstörungen des zweiten Weltkriegs.


Schließlich gelangen wir in die Hochburg, in der einstmals die Ritter gemäß ihrer strengen Ordensregeln gelebt haben. Besonders eindrucksvoll ist die Schlosskirche. Die bei der Rekonstruktion ergänzten Mauern sind verputzt, die Original-Mauern sind steinsichtig.

Alles in Allem ist der Besuch ein lohnenswertes Unterfangen. Gutes Schuhwerk und einigermaßen Kondition sollte man mitbringen.

Bei unserer Abfahrt sind die Parkplätze gut gefüllt. Für uns geht es zurück Richtung Ostsee und dann weiter nach Osten, nach Darlowo (Rügenwalde). Der Schlossgasthof wird für eine Nacht unsere Herberge sein. Der sanierte Fachwerkbau von 1740 ist mit vielen Antiquitäten ausgestattet und verfügt über ein sehr gutes Restaurant, wie sich noch herausstellen sollte.
Aber zunächst erkunden wir auf einem Spaziergang die Altstadt von Rügenwalde. Das Schloss war früher der Sitz der Herzöge von Pommern. Die Innenstadt ist, nun ja, nicht ganz so toll …

Neben dem Gasthaus wird die Wieprza an einem Wehr angestaut. Angrenzend sitzen wir im Garten des Gasthauses und nehmen einen Schlummertrunk. Beim Blick in die Karte, in der Rubrik Vorspeisen, da steht es: Pommersche Teewurst. Na klar doch, Rügenwalder!

Viel interessanter ist der Hinweis, dass der Hausherr eine Reihe von Whisky-Spezialitäten vorrätig hat. Inzwischen hat uns Mark, der Chef des Hauses, in einem unverkennbar amerikanisch gefärbten Deutsch begrüßt. Der Mann stammt aus Colorado und hat – zumindest was Whisky anbelangt – einen sehr guten Geschmack und ich komme in den Genuss von zwei hervorragenden Highland-Whiskies. Ein schöner letzter Abend in Polen geht damit seinem Ende entgegen.

15.08.2026

Nach einem wieder einmal sehr guten Frühstück verlassen wir Rügenwalde und fahren weiter gen Osten. Schließlich überqueren wir in Swinemünde die Grenze und sind zurück in Deutschland. Vor uns liegt eine entspannte Woche in dem wunderschönen Ferienhaus „Klare Kante“ in Ückeritz. Andreas wird sich im Laufe der Woche versuchen zu erinnern, wie das Dörfchen 1971 bei seinem letzten Besuch aussah. Aber das ist nun wieder eine andere Geschichte.

– ENDE –

Baltica13 – Danzig

12.08.2026

Unser nächstes Ziel ist Danzig. Auf dem Weg liegt am Westrand Masurens die Stadt Olsztyn (Allenstein). Überraschend bergig bietet die Altstadt viele mittelalterliche Bauten wie ein wehrhaftes Stadttor, die St. Jacob geweihte Kirche oder das alte Rathaus. Und eine Empfehlung wert ist das gegenüber dem Rathaus befindliche „House Cafe“. Der Kaffee ist hervorragend und die präsentierten Torten und Kuchen laden zum Sündigen ein.

Je näher wir Danzig kommen, um so dichter wird der Verkehr. An einer Baustelle auf der Autobahn kommt es sogar zum Stau. Unser Hotel liegt am Rand des alten Hafens, genauer am Ufer der Mottlau, und ist gut erreichbar. Ein barockes Palais von 1727 – das „Haus zum Mohren“ – beherbergt das Hotel Podewils. Über dem Eingang ist der Mohrenkopf, das Wappen des Erbauers Strzycki, noch heute zu entdecken. Der Empfangschef überschüttet uns mit einem nicht enden wollenden Redeschwall und überschlägt sich förmlich vor Dienstbarkeit. Ein Vorzug des Hauses: Es verfügt über Stellplätze im Innenhof. Die Ausstattung ist dem Ambiente angepasst, aber nicht altmodisch.

Wir starten zu einem ersten Erkundungsgang. Erster Eindruck: Die Stadt ist völlig überlaufen. Ein Grund dafür dürfte der Dominikaner-Jahrmarkt sein. Morgen werden wir erfahren, dass ein Kreuzfahrer angelegt hat …

Abseits der vielen Buden, im Restaurant „Fish-Market“, finden wir auf der Terasse ein ruhiges Plätzchen und ein exquisites Angebot. So lässt sich aushalten …

13.08.2026

Silke hat uns um 10:30 Uhr für eine „Free-Walking-Tour“ eingebucht. Treffpunkt ist das „Goldene Tor“ am Ende der Langen Straße in der Altstadt. Es findet sich eine bunte Truppe zusammen und dann kommt auch Katie (eigentlich Katarzynia), die uns freundlich und in sehr gutem Englisch begrüßt. Die nächsten knapp drei Stunden wird sie uns viel zu Geschichte, Kultur und Architektur Danzigs erzählen. Was man bei der Betrachtung der vielen prächtigen Bauten im Hinterkopf behalten sollte: Als die Rote Armee 1945 bei ihrem Vormarsch Richtung Berlin Danzig einschloss und eroberte, wurden durch Artilleriebeschuss, Plünderung und Brandschatzung nahezu 90 % der Bauten im Altstadtareal zerstört. Was heute zu sehen ist wurde maßgeblich in den letzten 60 Jahren im historischen Stil neu gebaut.

Der Reichtum Danzigs im 16./17. Jahrhundert gründete hauptsächlich auf dem Weizenhandel. Deshalb umgaben das Hafenareal zahlreiche große Speicherhäuser.

Es gibt nicht wenige Stellen in Danzig, bei denen die Architektur an Amsterdam erinnert. Das hat seinen Grund: Flämische Mennoniten siedelten sich im 16. Jahrhundert in Danzig an. Prägend für das Stadtbild wurden die Bauten der Künstlerfamilie van den Blocke, unter anderem das Langgassen-Tor (oder Goldenes Tor), das Zeughaus, der Neptunbrunnen, …

Katie lotst uns rechtzeitig in die Marienkirche, so dass wir pünktlich um 12 Uhr das Figurentheater an der riesigen astronomischen Uhr erleben. Gegenüber der andächtigen Stille vieler Gotteshäuser ist die Marienkirche erfüllt von einem Stimmengewirr sondergleichen.

Die Tour endet im Hinterhof des ehemals polnische Postamts, das am 1. September 1939 von 50 Postbeamten über Stunden verteidigt wurde. Die Überlebenden wurden zum Tode verurteilt und an der Mauer in eben jenem Hinterhof erschossen.

Auch das gehört zur wechselvollen Geschichte Danzigs. Wir können eine Teilnahme an einer solchen Tour nur empfehlen. Falls diese in deutscher Sprache gewünscht ist, muss man sich bereits Tage vorher anmelden.
Einige der Sehenswürdigkeiten sehen wir uns noch von Innen an. So das Rechtstädtische Rathaus, in dem noch ein Raum original aus dem Mittelalter erhalten ist. Oder den überaus beeindruckenden Bernsteinaltar in der Brigittenkirche.


Unser Fazit: Danzig ist auf jeden Fall eine Reise wert, ein Tag ist schlichtweg zu wenig, wenn man sich nicht nur die Hauptattraktionen ansehen will. Vielleicht sollte der Besuch nicht unbedingt in der Hochsaison und noch dazu während der Jakobs-Messe stattfinden.

Baltica12 – Masuren

8.8.2026

Und weiter geht die Reise Richtung Osten. Wir werden heute das fünfte Land unserer Reise entlang der Ostsee erreichen: Polen.
Zunächst legen wir östlich von Kaunas einen Zwischenstopp ein und besichtigen das Kloster Pazaislis. Erbaut von 1667 bis 1730 in barocker Pracht, hat es eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Kloster der Kamaldulenser-Ordens, russisch-orthodox, wieder katholisch, zu Sowjetzeiten Psychatrie. Heute beherbergt es 50 Nonnen. Das Äußere der Gebäude verlangt hie und da nach Sanierung, aber das Innere der Kirche ist prächtig.

Weiter geht’s auf mäßig befahrener Autobahn Richtung Polen. Da zeigt Google-Maps an:
15 Minuten Stau an der Grenze. Es werden 30 Minuten. Die Polen führen auf zwei Spuren Passkontrolle durch … Aber der Grenzer ist freundlich und so verlassen wir bald die Autobahn und fahren durch kleine Städte und Dörfer in Richtung Masuren. Wir verspüren einen deutlichen Unterschied zu Litauen, wo es doch manchmal etwas ärmlich aussah. Sanierte Häuser, gepflegte Grundstücke, ordentliche Straßen. Teilweise verläuft unsere Route durch alte Alleen. Schließlich erreichen wir unseren Zielort Ogonki (früher Schwenten) am Schwenzaitsee. Auf der Suche nach etwas Essbarem landen wir an der Marina. Das Restaurant entpuppt sich als SB – aber mit genialem Blick auf den See und überraschend gutem Essen.

Gestärkt steuern wir die letzten Meter hin zu unserer Unterkunft, der Pension „Villa Mamry“. Das Haus liegt auf einem riesigen Grundstück, das als Halbinsel in den Schwenzaitsee hineinragt. Die Vermutung, es handele sich um ein historisches Gemäuer, stellt sich als falsch heraus: Baujahr 1996. Das Zimmer ist geräumig, hell und verfügt über einen Balkon, den wir uns allerdings mit den Nachbarn teilen.

9.8.2026

Frühstück von acht bis zehn war angesagt, also sind wir pünktlich um acht im lichtdurchfluteten Frühstücksraum und werden sofort umsorgt. Die Besitzer sprechen sehr gut deutsch und können hilfreiche Tipps geben.

Für heute haben wir uns bei Komoot eine Wanderung herausgesucht, die uns von der nächstgelegenen Stadt Wegorzewo (Angerburg) nach Kal (Kehlen) führt. Der Hinweg verläuft entlang des Schwenzaitsee, der Rückweg mit Blick auf den Mamry-See und entlang des Wegorzewo-Kanals, der bis in die Altstadt führt und an dessen Ende eine weitläufige Marina entstanden ist. Gleich daneben sehen wir einen Teil des riesigen Angerburger Schlosses, was leider nicht besichtigt werden kann, da in Privatbesitz (!).

Silke fand in Angerburg keine gut bewertete Gastronomie und so fahren wir noch einmal nach Kal und essen hervorragend in der Qchina Dwa Jeziora. Beim Hinausgehen passt uns der Besitzer ab und verwickelt uns in ein Gespräch und bittet ihm in sein Spielezimmer zu folgen. Irre! Ein wohl 50 qm großer Raum voller Spiele. Er möchte, dass die Kinder das Smartphone beiseite legen, wenn sie mit ihren Eltern hier in der Ferienanlage Urlaub machen. Guter Mann!

10.8.2026

Der Wetterbericht verheißt Sonnenschein und wenig Wind. Das hört sich gut an! Denn wir beabsichtigen eine Paddeltour zu unternehmen. Der Kajakverleih liegt nur unweit unserer Unterkunft. Wir bekommen einen Zweier, Schwimmwesten, eine Karte, eine kurze Routenempfehlung und mit einem freundlichen Lächeln werden wir entlassen. Über einen schmalen Kanal verlassen wir den Schwenzaitsee und gelangen in den Striegelsee. Aus dem Uferschilf beäugt uns ein Reiher. Nur mithilfe von Maps finden wir die versteckte Mündung des Flüsschens Sapina. Wir tauchen ein in eine traumhaft schöne Auenlandschaft, unberührt, menschenleer.

Paddeln macht hungrig und die „Alte Schmiede“ bietet traditionelle polnische Küche (pirogi) – sehr lecker.

Wer sich für Militärgeschichte interessiert weiß, dass die umliegenden Wälder voller Zeugen des Größenwahns des Dritten Reichs stecken. Wenigstens einen dieser Orte suchen wir am Nachmittag auf: Mamerky (Mauerwald). Hier finden sich Spuren des Oberkommando des Heeres, das von 1941 bis 1944 in 30 Bunkern und Dutzenden Gebäuden untergebracht war. Gigantomanie. Irrsinn. Schrecklich, auch heute noch.

11.08.2026

Für heute sind kühle Temperaturen und wenig Sonne vorausgesagt. Wir werden in die nächstgrößere Stadt Gizycko (Lötzen) fahren und einen Spaziergang durch die Stadt unternehmen. Zum Schluss sind es dann doch 12 km geworden …

Die Stadt liegt malerisch am Ufer des ziemlich großen Niegocin (Lötzensee). Hauptattraktion ist die Feste Boyen, eine sich über 100 Hektar erstreckende in den 1850iger Jahren erbaute Festung. Die Dimensionen sind gewaltig, unser Weg führt eine Viertelstunde entlang der Festungsmauer, von einem Tor zum nächsten, durch das man den Komplex betreten kann. Die Mauern sind in einem bemerkenswert guten Zustand, alles ist aus Ziegeln aufgemauert.

Auch Lötzen verfügt über einen weiträumigen Yachthafen, der viel Publikum anzieht, so uns auch. Aber der direkte Zugang ist uns verwehrt, die Drehbrücke ist geöffnet und schließt erst in einer halben Stunde … Solange warten wir nicht, hungrig wie wir sind und nehmen einen Umweg in Kauf, der uns zur ausgespähten Gaststätte führt. Essen mit Blick auf den See – herrlich.

Es gäbe noch Vieles zu entdecken und zu unternehmen in Masuren. Ein Paradies für Wassersportler oder Radwanderer. Die Radwege sind bestens ausgebaut.

Baltica11 – Vilnius

05.08.2026

Beim Frühstück sind wir die ersten, denn wir wollen so früh wie möglich aufbrechen. An der Fähre herrscht Ruhe, wir rollen sofort auf’s Deck und lernen nebenbei, dass wir die Rückfahrt schon bei der Herfahrt mitbezahlt haben. Rückblickend ist das voll und ganz logisch, denn anders als mit der Fähre kommt kein Auto auf die Insel.

Der frühe Aufbruch hängt mit unserem ersten Tagesziel zusammen: Das Skoda-Autohaus Hokla in Klaipeda. Seit der Fahrt durch Kurland leuchtet die gelbe Abgaskontrollleuchte und das Handbuch signalisiert den Besuch einer Fachwerkstatt. Der Mitarbeiter im Autohaus wird zunehmend zugänglicher, was offenbar mit einer kurzen Konversation mit seinem Chef zu tun hat, der unsere Ankunft registriert hatte. Sie lesen den Fehlerspeicher aus und melden sich. Nahe dem Autohaus liegt ein riesiges Einkaufszentrum – unter anderem mit einer Eishalle – das wir durchstreifen. Beim Kaffee, nach einer reichlichen Stunde, meldet sich die Werkstatt und gibt Entwarnung. Das Problem ist marginal und beeinträchtigt nicht das Fahrverhalten. Uffz! Weiter geht’s Richtung Vilnius auf der einzigen Autobahn der drei baltischen Staaten. Gefühlt alle 20 km eine Baustelle, es zieht sich. Auch in Vilnius wird an allen Ecken und Enden gebaut. Aber in Gegensatz zu Riga finden wir sofort zum „Boutique-Hotel Shakespeare“. Gelegen in einer schmalen Gasse der Altstadt hat es einen großen Vorteil: Kostenlose Stellplätze im Innenhof!

Das Hotelgebäude ist ein altes Palais und verströmt eine gewisse Grandezza. Jedes Zimmer ist einer Schriftstellerin oder einem Schriftsteller gewidmet. Der Weg zum Fahrstuhl führt vorbei an Victor Hugo, Jane Austen, D.H. Lawrence. Unser Zimmer in der zweiten Etage ist G.B. Shaw gewidmet und mit vielen Fotos des Meisters und seiner Familie dekoriert. Die erste Etage beherbergt die riesige Bibliothek und den Gastraum, in dem morgens das Frühstück angeboten wird.

Ein erster Rundgang führt zum Restaurant Mason, etwas abseits der Touristenströme ruhig gelegen. Die Küche zeigt sich französisch inspiriert und es schmeckt hervorragend.

06.08.2026

Wir genießen unser Frühstück in entspannter Atmosphäre. Silke hat uns gestern Abend noch für eine Free-Walking-Tour angemeldet, die halb elf starten soll. Nebenbei sei angemerkt, dass wir bis zu 31 °C haben werden und hohe Luftfeuchtigkeit herrscht … Unser Guide, eine junge, berede Frau mit unaussprechlichen Namen, der auf englisch fire bedeutet, wird unsere aus aller Herren Länder stammende Gruppe (u.a. Kolumbien, Mexiko) kreuz und quer durch die Altstadt lotsen. Bei einem Halt vor der Kasimir-Kirche erfahren wir, dass diese zu Sowjetzeiten ein Atheismus-Museum (!!!) beherbergte und man angeblich das Engelsgesicht über dem Portal als Kinderbild Stalins interpretiert haben wollte. Halleluja!


Wir passieren eine Grenze und landen in der „Künstlerrepublik“ Uzupis. Ein Gebot: Es ist zu lächeln! Fire klärt uns auf: Litauer laufen zumeist mit einem „Minusgesicht“ herum, schauen also ernst bis griesgrämig drein. Das ist uns bereits in der einen oder anderen Gaststätte aufgefallen. Wenn sie ihrerseits angelächelt werden, dann überlegen sie tagelang: Wer war das, kenne ich die/den? Ein introvertiertes Völkchen mit einer bedauerlich hohen Suizidrate.

Nach dieser kurzweiligen, ob der Wärme aber durchaus anstrengenden Tour, überdenken wir bei einem Kaffee die weiteren Tagespläne.

Und so lautet der Beschluss: Wir besuchen die Universität von Vilnius. Sie entstand aus einem 1569/70 gegründeten Jesuitenkolleg, bildet ein Gebäudeensemble mit 13 Innenhöfen. Integriert ist die Johanniskirche, die den zentralen Hof mit dem Hauptgebäude nach einer Seite abschließt. Als wir den Hof betreten wollen, werden wir unfreiwillig Zeuge des letzten Teils eines Staatsbegräbnisses. Die Trauergemeinde löst sich auf und als Erster geht – so vermuten wir – der Ministerpräsident Litauens mit seinen drei Leibwächtern an uns vorbei. In Deutschland kaum vorstellbar.
Der Höhepunkt des Besuchs ist der Blick in den historischen Lesesaal der Universitätsbibliothek – ehemals das Refektorium der Jesuiten.

Gegessen wird heute im „Gabi“, was über einen schattigen, lauschigen Innenhof verfügt. Bei den Temperaturen ist die typisch litauische kalte Rote-Bete-Suppe ein Genuss. Sollte man probieren!

Während einer Siesta im klimatisierten Hotelzimmer findet Silke einen Herrenfriseur in der Altstadt. Okay die Hitze unterstützt das Ansinnen. Also landen wir beim Barbier und der nette Mensch verpasst mir innerhalb einer Viertelstunde einen Haarschnitt vom Allerfeinsten. 🙂

In einer etwas abseits vom Getriebe gelegenen Weinbar findet der Tag seinen Ausklang …

07.08.2026

Bevor die Besucherströme anschwellen, werden wir heute den Burgberg als erstes Ziel ansteuern. Am Berg wird kräftig gewerkelt: Für 15 Millionen Euro wird der bröselnde Fels gesichert und befestigt. Wegen der Bauarbeiten verkehrt die Standseilbahn nicht, und so geht’s per pedes hinauf. Der Aufstieg lohnt sich, denn der Rundblick über die Stadt ist reizvoll. Noch besser ist die Aussicht vom Gediminas-Turm, einen wiedererrichteten Teil der Oberburg.

Danach spazieren wir entlang des Ufers der Neria zur Peter-und-Paul-Kirche, einem barocken Prachtstück. Und begegnen unserem ersten Brautpaar des Tages, es werden noch zehn weitere folgen!
Auf dem Weg zurück in die Altstadt fallen uns am gegenüberliegenden Ufer Neubauten in Bestlage auf. Die dürften nicht ganz billig zu haben sein. Auch in Vilnius haben die Immobilienpreise angezogen. Auch am diesseitigen Ufer kommen wir an einer Großbaustelle vorbei, wo Apartmenthäuser entstehen sollen.

Hinter dem gotischen Ensemble erstreckt sich der Bernadinen-Garten. Die Ursprünge liegen im Klostergarten der Bernadinen der im Laufe der Jahrhunderte stetig erweitert wurde und heute eine grüne Oase am Rande der Altstadt bildet. Auch hier treffen wir wieder auf Brautpaare beim FotoTermin.

In der ehemaligen Dominikaner-Kirche, die wir als nächstes Ziel ansteuern, findet doch tatsächlich eine Trauung statt – offenkundig auf polnisch. Kein Wunder, denn es ist die Kirche der polnischen Gemeinde. Vor dem Gotteshaus wartet schon die nächste Hochzeitsgesellschaft. Was ist hier heute los? Unser Streifzug endet am „Tor der Morgenröte“, dem einzigen ehemaligen Stadttor, was nicht geschliffen wurde. Der Grund: Das Tor beherbergt ein Madonnenbildnis, was vor allem von polnischen Katholiken verehrt wird. Nahe des Tores finden wir ein Restaurant mit einem schattigen Freisitz, angrenzend an altes Gemäuer.


Zeit für ein Fazit: Eine Stadt mit entspannter Atmosphäre, nicht so getrieben wie Riga, aber auch nicht so kleinteilig wie Tallinn. Wer will, kann 80 Kirchen auf dem Stadtgebiet besuchen …

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Baltica10 – Drei Tage auf der Kurischen Nehrung

01.08.2026

Unsere Fahrt durch Kurland führt auch heute teilweise über abenteuerliche, unbefestigte Pisten. Hinter Liepaja wird die Straße wieder ordentlich und wir nähern uns der Grenze zu Litauen. Dieselbe ist offensichtlich, denn wir werden angehalten – so wie jedes andere Auto auch – und lassen den Grenzposten einen Blick in den Kofferraum werfen. Aber bitteschön, wir haben nichts zu verbergen.

Wenige Kilometer nach der Grenze liegt das Seebad Palanga, berühmt für seinen feinen Sandstrand und die Seebrücke. Himmel und Menschen! An dem Weg zur Seebrücke reihen sich abwechselnd Fresstempel und Andenkenläden. Schnell weg!

Frohen Mutes rollen wir Klaipeda entgegen, um per Fähre den winzigen Hüpfer hinüber zur Nehrung zu nehmen. Nun ja, das wollen auch viele Andere und so müssen wir anderthalb Stunden warten. Die Überfahrt dauert lediglich fünf Minuten. Wer nicht so lange warten möchte: Entweder sehr zeitig oder sehr spät übersetzen, die Fähren verkehren rund um die Uhr. Nach etwa zwei Kilometern Fahrt Richtung Süden gelangen wir an einen Checkpoint, an dem 50 Euro „Umweltabgabe“ zu berappen sind. Es gießt inzwischen in Strömen. In die Verbesserung des Straßenzustands ist das Geld noch nicht geflossen, das Wasser spritzt nach allen Seiten.

Schließlich gelangen wir an unser Ziel, der Pension Prie Mariu (Am Haff) am nördlichen Rand von Nida. Die beiden Häuser liegen tatsächlich nicht mehr als 50 m vom Haff entfernt. Von unserem Balkon blicken wir auf’s Haff und abends wiegt uns der Wellenschlag in den Schlaf.

02.08.2026

Nach dem einsamen Frühstück (wer frühstückt schon um acht am Sonntag 🙂 brechen wir auf zu unserer Wandertour, die uns zur Parnidis-Düne führen wird. Startpunkt ist das Sommerhaus von Thomas Mann auf dem Schwiegermutterhügel. Die Lage ist atemberaubend, der Ausblick – der „italienische Blick“ – einfach genial. Wie sich bei unserem späteren Besuch des Hauses noch zeigen wird, hat er sein Domizil sehr gemocht.

Wir durchwandern den Dünenwald und gelangen schließlich an den Strand auf der Seeseite. Spektakulär. Wir überblicken nur einen Ausschnitt des um die 50 km langen Strands. Trotz besten Strandwetters sind recht wenige Menschen zu sehen.


Nach einer Strandwanderung von zwei Kilometern nehmen wir eine der letzten Treppen (Russland ist nicht mehr weit) und erklimmen den höchsten Punkt der Parnidis-Düne (55 m ü. NN). Hier hat man eine gigantische Sonnenuhr installiert. Und am Rande des Wegs stemmt sich ein bronzener Herr gegen den Wind – Sartre. Er hatte 1965 die Nehrung besucht.


Die Düne gliedert sich in einen „toten Teil“ – weil nicht mehr wandernd – und einen „lebendigen Teil“, der noch wandert. Ein Pfad führt am Rand des toten Teils entlang und wir bekommen ein Gespür für die gewaltigen Ausmaße. Der Pfad folgt ein Stück der litauischen Grenze und der Wanderführer rät dringend, auf dem Pfad zu bleiben.


Am Rande der Düne laufen wir am Ufer des Haffs bis an den Ortsrand von Nidda. Durch den Wald führt der Weg hinauf auf den Urbo kainas, wo 1953 ein Leuchtturm entstand. Von dessen Plattform bietet sich ein herrlicher Rundblick über Nida und die Nehrung. Übrigens: Wir haben die Tour 1 aus dem Rother Wanderführer Baltikum absolviert.

03.08.2026

Gestern war es Tour Nr. 1, heute folgen wir Tour Nr. 2. Wir starten im kleinen Fischerdorf Pevalka und wandern durch Kiefernwälder hinauf zur Birstvyno Kopa. Unweit der Straße erhebt sich ein Denkmal, einem Totempfahl ähnlich – für den ersten Sammler litauischer Volksmusik Ludwig Rhesa. Er wurde in einem der längst verschütteten Dörfer geboren. Von der „Bergkuppe“ bietet sich bereits ein Blick auf den Negelnschen Berg, auf die Tote Düne.


Wir folgen dem teilweise mitten durch den Wald verlaufenden, hervorragend ausgebauten Radweg bis zum Kassenhäuschen am Fuß der Düne. Zunächst auf einem Bohlenweg, dann durch Sand erklimmen wir den höchsten Punkt der Düne. Die Ausmaße sind gigantisch. Schon vor 400 Jahren begruben die Dünen mehrere Dörfer unter sich.

Durch den Wald geht es zurück nach Pevalka. Gott sei Dank gibt es eine offene Gaststätte und wir können uns stärken.

Unsere „Pensionsmutter“ hat schon bei der Anreise darauf hingewiesen, dass jeden Abend um 20.30 Uhr die „Gresa“ zu einer Sonnenuntergangsfahrt auf dem Haff ablegt. Heute Abend gehen wir an Bord, der Käpt’n verkauft selbst die Tickets, seine Tochter (?) mixt die Drinks. Wir fahren südwärts und können die Parnides-Dünen von der Seeseite betrachten. Urplötzlich steht der Käpt’n vor uns und bittet auf’s Oberdeck, wo er für uns und ein weiteres Paar einige Erläuterungen auf Englisch zu den Dünen und zum Haff gibt. Sehr nett und informativ.

04.08.2026

Heute Kultur und Strand.

Kurz nach zehn Uhr gehören wir zu den ersten Besuchern des Thomas-Mann-Sommerhauses und lernen, dass es nur Dank privater Initiative überhaupt noch steht. Im Inneren finden sich viele Fotos der Familie aus den Jahren 1930 bis 1932 – länger haben sie das Haus nicht besuchen können. Unter den Nazis als „Haus Elchwald“ für Gäste wie Albert Speer genutzt, zu Sowjetzeiten verkommen lassen – es sollte wohl abgerissen werden. Im Inneren darf man also nichts Originales mehr erwarten. Aber allein der Blick aus dem Arbeitszimmer ist einfach unglaublich.

Danach geht’s zum Strand und hinein ins kalte Wasser der Ostsee. Herrlich!


Resümee: Die Kurische Nehrung ist ein Muss für Liebhaber Rügens, Usedoms und von Fischland-Darß-Zingst. Ihr werdet zuweilen denken, ihr seid im Darßer Wald – nur ist alles eine Nummer größer. Die Wanderdünen sind ein unvergleichliches Naturerlebnis.

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Baltica09 – Kurland

31.07.2026

Den ersten Teil des Tages werden uns Anni und Johannes begleiten. Das erste Ziel des Tages liegt im Kermeru Nationalpark, 25 km westlich von Riga. Moore, Sümpfe, Schwefelquellen auf einem riesigen, kaum erschlossenen Gebiet. Mitten im Wald ein großer, unbefestigter Parkplatz, für den vier Euro fällig sind. Auf einem 4,5 km langen Bohlenweg erkunden wir das Hochmoor – lediglich ein kleiner Ausschnitt des Nationalparks. Das Moor hat beeindruckende Ausmaße, ist von vielen Tümpeln und kleinen Seen durchsetzt.

Wir fahren Richtung Riga zurück und gelangen in DAS Seebad Lettlands: Jürmala. Vorort wird eine Umweltabgabe eingefordert, die sich wiederum bequem per Nahverkehrs-App entrichten lässt. Das Städtchen weist eine große Zahl alter, schöner Villen auf, die sich reiche Rigaer bereits im 19. Jahrhundert errichten ließen. Soviel Sightseeing macht hungrig. Zielgerichtet steuern wir das oberhalb des Strandes liegende Restaurant 36.line Grill an. Der Blick von der Terrasse ist umwerfend, der Service freundlich und das Essen super.

Nur fünf Minuten entfernt liegt der Bahnhof, vor dem wir uns von Anni und Johannes verabschieden. Sie verbringen noch eine kurze Nacht in Riga und fliegen morgen nach Stockholm, um für eine Woche auf einem Segler die Schären zu durchkreuzen.

Von hier aus führt unser Weg tief in das ehemalige Kurland hinein. Wiesen, Wälder, Felder ziehen vorbei, kaum Siedlungen. Unser Ziel ist das Gutshaus Kukschen, wo wir eine Nacht verbringen werden. Die letzten 15 km fahren wir über staubige, unbefestigte Pisten. Den Einheimischen agieren wir zu vorsichtig, werden überholt und es folgen wenige Minuten Blindflug. Irre!

Dennoch erreichen wir das Gutshaus und sind erst einmal baff. Inmitten einer grünen, gepflegten Oase steht das sanierte Haus – wohl eher Schlösschen. Eine Augenweide!

Am Tresen steht ein junger Mann, der uns gleich mitteilt, dass er heute mit einigen Gästen seinen Geburtstag nachfeiert. Wir sehen rechts im Saal die gedeckte Tafel für 20 Gäste – das kann lustig werden. Da kommt aus der Küche ein Mann meines Alters, Schürze um und spricht uns auf deutsch an. Wie sich herausstellt, haben wir den Hausherren vor uns: Daniel Jahn.

Später gibt er uns eine kurze Führung durch das Schlösschen von 1800 qm Wohnfläche. Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus. In einigen Zimmern wurden unter elf Schichten Farbe Wandmalereien aus dem 18. Jahrhundert freigelegt und konserviert. Das gesamte Haus ist voller gediegener Antiquitäten: Möbel, Geschirr, Figurinen, Gemälde. Unglaublich. Jedes Zimmer ist individuell eingerichtet. 1999 hat er das heruntergekommene Gebäude erworben und über sechs Jahre sanieren lassen. Eine kurze Recherche ergibt, dass er in Riga nach der Wende ein Grand-Hotel aufbaute, mehrfach geehrt wurde und hier seinen Traum lebt.

01.08.2026

Die Nacht gehörte nicht dem erwarteten Quaken der Frösche. Wir wurden – unfreiwillig – Zeuge einer ausgelassenen, sanges- und feierfreudigen lettischen Geburtstagsrunde. Zum Frühstück um acht begrüßt uns Daniel zwar mit kleinen Augen, aber mit einem Frühstück für Zwei nach Gutsherrenart. Wow! Übrigens: Das Porzellan ist Original Kahla Zwiebelmuster …

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