Freitag, 16.10.2026
Wir verlassen Christchurch und nehmen Route 75 in Richtung Banks Peninsula. Zunächst verläuft die Straße gemütlich durch ausgedehnte Weideflächen, wenig Verkehr. Aber dann geht’s in die Berge, es wird kurvig und steil. Die Halbinsel ist vor sechseinhalb Millionen Jahren aus drei Vulkanen entstanden und unser Ziel Akaroa liegt in der Caldera des südlichen ehemaligen Vulkans. Die höchsten Erhebungen haben um die 800 Meter. Der wenige Verkehr ist vor allem gut bei den Roundabouts.
Wir erreichen Akaroa unbeschadet 😉 Die Siedlung wurde 1840 von französischen Siedlern gegründet und scheint sich dieser speziellen Stellung bewusst zu sein: Allerorst sind neben der neuseeländischen Flagge auch die Trikolore oder drei Lilien zu sehen. Folgerichtig heißt das angesteuerte Restaurant „Ma Mason“ und hält delikate Speisen und Weine bereit.
Die Einfahrt zu unserer Unterkunft, dem B&B „Beaufort House“, einer kolonialen Villa von 1890, ruft bereits ein „Wow!“ hervor. Der Garten ist eine Augenweide und wird von einem mächtigen Banya-Banya-Tree – einer Araukarienart – beherrscht.
Unsere Gastgeberin Sharon begrüßt uns am Entreé und weist in die Geheimnisse des Hauses ein. Sie sammelt alle Arten von Antiquitäten, ihr Mann ist ein passionierter Segler und steuert Maritimes bei. Die beiden Salons im Parterre sind die reinsten Antiquitätenläden. Vom Kaminsims wird uns jeden Morgen der Geheime Rath von Goethe beäugen.




Wer zum Himmel staubt den ganzen Nippes ab? Unser Zimmer ist ebenso vollständig mit antikem Mobiliar ausgestattet. Selbst im Bad ist der Duschkopf aus solidem Messing. Interessantes Detail: Wie auch schon im B&B in Christchurch hat auch hier das Bett eine elektrische Heizdecke als Unterbett. Das ist scheinbar der Ausgleich zu der winzigen elektrischen Heizung. Nicht ohne Stolz wird uns verkündet, dass am vorigen Wochenende der Botschafter Frankreichs mit Entourage zu Gast war. Grund: Das alljährlich stattfindende French-Festival. Wir sind beeindruckt.
Um 18 Uhr sind wir eingeladen zum Jour fixe mit mehreren Glas Wein und Häppchen. Insbesondre der vom Hausherrn geräucherte Lachs ist zum Niederknien.
Wir sind derzeit die einzigen Gäste. Trotzdem ist der Salon opulent eingedeckt und es fehlt an nichts. Träumchen.
Nach dieser reichlichen Kalorienzufuhr tut Bewegung Not. Das Akaroa-County hält auf seiner Website eine Reihe von Vorschlägen für Wanderungen bereit, die sich 1:1 in der Komot-App wiederfinden. Wir entschließen uns für eine Tour, die uns über den Woodills Track zunächst steil nach oben über eine Seitenstraße, später durch Wald und über Weiden hinauf zum Heritage Garden führt. Eine bemerkenswert gepflegte Anlage. Über den Curry Track und das Grehan Valley führt der Weg uns wieder hinunter nach Akaroa. Zeit für Lunch und Recreation.


Denn um 17:30 Uhr haben wir einen Termin: Treffen zur Pinguin-Tour. Insgesamt sind wir 16 Touris, die auf zwei allradgetriebene Kleinbusse verteilt werden und auf aberwitzigen Straßen hinunter in die Pohatu Bay fahren. Nebenbei informiert uns die junge Frau am Steuer beispielsweise darüber, dass Akaroa 740 Einwohner hat und in der Hauptsaison bis zu 15000 Touristen den Ort bevölkern. 80 % der Immobilien sind Ferienunterkünfte!
Am Rande der Farm, die das gesamte Areal der Bucht und das Hinterland umfasst, gibt es eine Kolonie von Zwergpinguinen, der kleinsten von insgesamt 18 Pinguinarten. Seit Jahren wird die Kolonie beobachtet und es wurden mehr als 200 Nisthilfen installiert. Aber nach dem Eintreffen auf der Farm umringen uns Schafe, ziemlich aufdringlich. Dann dürfen Lämmer mit Milchflaschen gefüttert werden, für die Adults gibt es Kraftfutter aus der Hand. Okay.
Wir bekommen Tarn-Ponchos und Ferngläser und die Expedition geht los. Über das Monitoring weiß unser Guide genau, welche Box bebrütet wird. Bei zwei Boxen lüftet sie für fünf Sekunden den Deckel und wir sehen den blauen (!) brütenden Pinguin zum Greifen nah. Toll! Von einem Unterstand aus beobachten wir, wie zwei, drei, vier Pinguine am Ufer hin und her watscheln. Erst wenn es total dunkel ist, werden sie den Weg zu ihren Nestern antreten. Im Extremfall liegen diese bis zu 200 m hoch und die kleinen Kerle benötigen zwei Stunden, um es zu erreichen.
Ein beeindruckender Ausflug und jeden Cent wert!



Sonntag, 18.10.26
Seit gestern sind Gäste dazu gekommen. Ein Ehepaar und deren Eltern aus Australien und eine Deutsche aus München. Die Konversation beim Frühstück mit den Aussis ist schwierig. Das Geknödel ist nur schwer zu verstehen. Die allein reisende Dame ist – wie sich später herausstellt – Managerin bei BMW und steht vor einem Wechsel zu Mercedes. Die Zeit zwischen den Jobs füllt sie mit einem Trip durch Neuseeland. Wir tauschen uns über Wanderrouten aus, denn heute geht es wieder hinauf. Unser Ziel ist der Stony Bay Peak. Diesmal bewegen wir uns vorwiegend über Weideland und auf schmalen Pfaden hinauf auf ca. 700 m. Der Peak ist auf 806 m üNN, wir nehmen vorher eine Abkürzung. Die Aussicht über die Caldera einerseits und die Buchten am Pazifik andererseits ist genial. An einer Stelle sehen wir in 200 km Entfernung die schneebedeckten Gipfel der Kaikoura Mountains, der nördlichen Ausläufer der Südalpen. Das lohnt den schweißtreibenden Aufstieg! Insgesamt sind wir dreieinhalb Stunden unterwegs und begegnen sage und schreibe lediglich vier Wanderern. Übrigens sind die Wanderwege sehr gut markiert und man kann sich selbst ohne Karte gut orientieren.



Gegen halb drei sind wir wieder auf NN angekommen. Das „The Common Café and Garden Bar“ hat erfreulicherweise durchgehend warme Küche und wunderbare Beef-Burger nebst selbstgemachten Pommes sind unser. Interessanterweise gibt es hier einen Wiener Kaffee vom allerfeinsten. Die junge Frau am Tresen fragt, woher wir kommen (wie so viele) und spricht gleich auf deutsch weiter. Wie sich herausstellt ist sie auf Work-and-Travel in NZ unterwegs.
Am Abend wiederum Jour fixe, diesmal ist auch unser Gastgeber Noel dabei und es sind launige anderthalb Stunden, die wir auf der Terrasse verbringen, wiederum bei Wein und Häppchen.
Montag, 19.10.2026
Der Vormittag steht unter dem Motto: Riding with the Postman. Pünktlich um neun sammelt uns Jeff, der Postbote, am vereinbarten Treffpunkt ein und nimmt uns mit auf seine Tour zu den entlegenen Farmen und Buchten nördlich von Akaroa. Uns stehen fünf Stunden mit atemberaubenden Eindrücken bevor. Es ist quasi eine Privat-Tour, denn wir sind die einzigen Mitfahrer.
In einem Halbkreis von West nach Ost verläuft längs des Kammes der Caldera um Akaroa Habour die Summit Road zwischen 500 und 670 m üNN. Von dort führen steile Straßen, Sträßchen oder bessere Feldwege in die einzelnen Buchten hinunter. Jeff weist immer wieder auf Sehens- und Bemerkenswertes hin. Unser erster Stopp in der Pigeon Bay führt zurück in die zwanziger Jahre, als hier noch deutlich mehr Menschen lebten als heute. Erhalten aus dieser Zeit ist ein Gemeindehaus mit einer überraschend großen Dancehall mit wippendem Parkettboden. Ein anderes Highlight ist die Kirche in Little Akaloa, die maßgeblich von Mr John Henry Menzies finanziert und gebaut wurde und mit einem sorgfältig mit Schnitzereien versehenen Dachgebälk beeindruckt. Vor diesem Bau läd Jeff zu einem kleinen Picknick ein.



Die einzelnen Buchten sind nicht untereinander über Straßen verbunden, abgesehen von einer Ausnahme. Vielfach lebt nur eine Familie auf der Farm, die an die Bucht angrenzt. Also heißt das: Von der Summit Road hinunter in die Bucht A, wieder hinauf und hinunter in Bucht B usw. Letzter halt ist Le Bons Bay und wir haben eine Viertelstunde Zeit, um am menschenleeren Sandstrand entlang zu laufen. Ständig lebt hier unten nur ein Ehepaar, sonst gibt es nur Ferienhäuser. Aber sonst gibt’s nichts – kein Laden, kein Restaurant, keinerlei touristische Infrastruktur. Wahnsinn.
Vielleicht wären wir selbst in eine der Buchten gefahren, mit Schweiß auf der Stirn 🙂 Aber so haben wir einen unvergleichlichen Einblick erhalten. Danke Jeff! It was amazing!



















































































































































