8.8.2026
Und weiter geht die Reise Richtung Osten. Wir werden heute das fünfte Land unserer Reise entlang der Ostsee erreichen: Polen.
Zunächst legen wir östlich von Kaunas einen Zwischenstopp ein und besichtigen das Kloster Pazaislis. Erbaut von 1667 bis 1730 in barocker Pracht, hat es eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Kloster der Kamaldulenser-Ordens, russisch-orthodox, wieder katholisch, zu Sowjetzeiten Psychatrie. Heute beherbergt es 50 Nonnen. Das Äußere der Gebäude verlangt hie und da nach Sanierung, aber das Innere der Kirche ist prächtig.




Weiter geht’s auf mäßig befahrener Autobahn Richtung Polen. Da zeigt Google-Maps an:
15 Minuten Stau an der Grenze. Es werden 30 Minuten. Die Polen führen auf zwei Spuren Passkontrolle durch … Aber der Grenzer ist freundlich und so verlassen wir bald die Autobahn und fahren durch kleine Städte und Dörfer in Richtung Masuren. Wir verspüren einen deutlichen Unterschied zu Litauen, wo es doch manchmal etwas ärmlich aussah. Sanierte Häuser, gepflegte Grundstücke, ordentliche Straßen. Teilweise verläuft unsere Route durch alte Alleen. Schließlich erreichen wir unseren Zielort Ogonki (früher Schwenten) am Schwenzaitsee. Auf der Suche nach etwas Essbarem landen wir an der Marina. Das Restaurant entpuppt sich als SB – aber mit genialem Blick auf den See und überraschend gutem Essen.
Gestärkt steuern wir die letzten Meter hin zu unserer Unterkunft, der Pension „Villa Mamry“. Das Haus liegt auf einem riesigen Grundstück, das als Halbinsel in den Schwenzaitsee hineinragt. Die Vermutung, es handele sich um ein historisches Gemäuer, stellt sich als falsch heraus: Baujahr 1996. Das Zimmer ist geräumig, hell und verfügt über einen Balkon, den wir uns allerdings mit den Nachbarn teilen.



9.8.2026
Frühstück von acht bis zehn war angesagt, also sind wir pünktlich um acht im lichtdurchfluteten Frühstücksraum und werden sofort umsorgt. Die Besitzer sprechen sehr gut deutsch und können hilfreiche Tipps geben.
Für heute haben wir uns bei Komoot eine Wanderung herausgesucht, die uns von der nächstgelegenen Stadt Wegorzewo (Angerburg) nach Kal (Kehlen) führt. Der Hinweg verläuft entlang des Schwenzaitsee, der Rückweg mit Blick auf den Mamry-See und entlang des Wegorzewo-Kanals, der bis in die Altstadt führt und an dessen Ende eine weitläufige Marina entstanden ist. Gleich daneben sehen wir einen Teil des riesigen Angerburger Schlosses, was leider nicht besichtigt werden kann, da in Privatbesitz (!).




Silke fand in Angerburg keine gut bewertete Gastronomie und so fahren wir noch einmal nach Kal und essen hervorragend in der Qchina Dwa Jeziora. Beim Hinausgehen passt uns der Besitzer ab und verwickelt uns in ein Gespräch und bittet ihm in sein Spielezimmer zu folgen. Irre! Ein wohl 50 qm großer Raum voller Spiele. Er möchte, dass die Kinder das Smartphone beiseite legen, wenn sie mit ihren Eltern hier in der Ferienanlage Urlaub machen. Guter Mann!
10.8.2026
Der Wetterbericht verheißt Sonnenschein und wenig Wind. Das hört sich gut an! Denn wir beabsichtigen eine Paddeltour zu unternehmen. Der Kajakverleih liegt nur unweit unserer Unterkunft. Wir bekommen einen Zweier, Schwimmwesten, eine Karte, eine kurze Routenempfehlung und mit einem freundlichen Lächeln werden wir entlassen. Über einen schmalen Kanal verlassen wir den Schwenzaitsee und gelangen in den Striegelsee. Aus dem Uferschilf beäugt uns ein Reiher. Nur mithilfe von Maps finden wir die versteckte Mündung des Flüsschens Sapina. Wir tauchen ein in eine traumhaft schöne Auenlandschaft, unberührt, menschenleer.



Paddeln macht hungrig und die „Alte Schmiede“ bietet traditionelle polnische Küche (pirogi) – sehr lecker.
Wer sich für Militärgeschichte interessiert weiß, dass die umliegenden Wälder voller Zeugen des Größenwahns des Dritten Reichs stecken. Wenigstens einen dieser Orte suchen wir am Nachmittag auf: Mamerky (Mauerwald). Hier finden sich Spuren des Oberkommando des Heeres, das von 1941 bis 1944 in 30 Bunkern und Dutzenden Gebäuden untergebracht war. Gigantomanie. Irrsinn. Schrecklich, auch heute noch.
11.08.2026
Für heute sind kühle Temperaturen und wenig Sonne vorausgesagt. Wir werden in die nächstgrößere Stadt Gizycko (Lötzen) fahren und einen Spaziergang durch die Stadt unternehmen. Zum Schluss sind es dann doch 12 km geworden …
Die Stadt liegt malerisch am Ufer des ziemlich großen Niegocin (Lötzensee). Hauptattraktion ist die Feste Boyen, eine sich über 100 Hektar erstreckende in den 1850iger Jahren erbaute Festung. Die Dimensionen sind gewaltig, unser Weg führt eine Viertelstunde entlang der Festungsmauer, von einem Tor zum nächsten, durch das man den Komplex betreten kann. Die Mauern sind in einem bemerkenswert guten Zustand, alles ist aus Ziegeln aufgemauert.





Auch Lötzen verfügt über einen weiträumigen Yachthafen, der viel Publikum anzieht, so uns auch. Aber der direkte Zugang ist uns verwehrt, die Drehbrücke ist geöffnet und schließt erst in einer halben Stunde … Solange warten wir nicht, hungrig wie wir sind und nehmen einen Umweg in Kauf, der uns zur ausgespähten Gaststätte führt. Essen mit Blick auf den See – herrlich.
Es gäbe noch Vieles zu entdecken und zu unternehmen in Masuren. Ein Paradies für Wassersportler oder Radwanderer. Die Radwege sind bestens ausgebaut.