21.07.2026
Wir verabschieden uns von Tallinn und fahren im Dauerregen gen Süden nach Virtsu. Von hier geht die Fähre hinüber auf die kleine Insel Muhu. Dank des vorab gebuchten E-Tickets rollen wir ohne lange Wartezeit auf die überraschend große Fähre. Die Überfahrt dauert lediglich eine halbe Stunde. Trotzdem stürzen sich viele Fahrgäste auf das Speisenangebot.
Reisescout Silke hat herausgefunden, dass es auf Muhu eine Brotbäckerei gibt, die ob der Qualität ihrer dunklen Sauerteigbrote weithin bekannt ist. Seit wohl 13 Jahren wird der Sauerteigansatz durchgehend gepflegt! Da sie am Wege liegt, nichts wie hin. Das Brot ist tatsächlich köstlich!
Von Muhu führt ein Damm hinüber nach Saaremaa. Die größte der estnischen Inseln ist mehr als dreimal so groß wie Rügen. Zu Sowjetzeiten militärisches Sperrgebiet (zu nahe an Schweden??) hat sich auf der Insel viel Ursprüngliches erhalten. So überrascht es nicht, dass unser Ferienhaus einsam und abgelegen inmitten Wiesen und Wäldern liegt. Nach der turbulenten Altstadt Tallinns „dröhnt“ die Stille in den Ohren.


22.07.2026
Der Wetterbericht bestärkt uns in dem Vorhaben heute auf Wanderschaft zu gehen. Nach kurzer Fahrt auf zum Ende hin immer schmaler werdender Straße erreichen wir den Wanderparkplatz am Moor Koigi raba. Die hervorragend präparierte Runde, zu großen Teilen auf Bohlenwegen, führt in einem weiten Bogen um einen der drei Moorseen. Eine bemerkenswert intakte Natur, herrlich. Und menschenleer!


Die Runde war etwas kurz. Nach so viel Wald und Moor wäre doch ein Blick auf’s Meer angebracht. Und da bietet es sich doch an, von unserem Ferienhaus die zweieinhalb Kilometer bis hinunter ans Wasser zu „John’s Place“ zu laufen. Auf einer kleinen Landzunge befindet sich ein idyllischer Zeltplatz, daneben eine kleine Marina und eben jenes Restaurant. Irgendwie überdimensioniert kommt es uns vor, es herrscht gähnende Leere. Aber das Essen ist gut und der Kuchen zum Dessert ist ein Gedicht!
23.07.2026
Auf einer kleinen Rundreise werden wir heute den Inselnorden erkunden. Erste Station ist der Einschlagkrater eines 80-Tonnen-Meteoriten bei Kaali. Die Masse ist wohl gesichert, das Wann eher unsicher. Der relativ kleine, kreisrunde Krater erinnert an die Mare in der Eifel.


Unweit der Einschlagstelle entdecken wir ein Schulgebäude, in dem während des Sommers lokale Handarbeiten angeboten werde. Der Knaller findet sich im Eingangsbereich, sehr prominent platziert.
Auf einem dem Winde ausgesetzten Hügel nahe Angla haben fünf der früher wohl 800 Windmühlen auf Saaremaa die Zeiten überdauert. Heute bilden sie ein Museum, ergänzt um diverse alte landwirtschaftliche Maschinen – unter anderem eine Dreschmaschine von Heinrich Lanz. Zwei der Mühlen sind auch von Innen zu besichtigen. Immer wieder begeistert uns die solide Handwerkskunst vergangener Zeiten.


Deutlich älter ist die Kirche von Karja. Das Bauwerk wurde Ende des 13. oder Anfang des 14. Jahrhunderts im gotischen Stil erbaut. Von außen sehr schlicht, offenbart sich der wahre Reichtum im Innenraum. Steinmetzarbeiten aus der Entstehungszeit zeigen skurrile Details. Wir sind uns einig: Das ist das kulturhistorische Highlight auf Saaremaa!


Auf dem Rückweg entlang der Nordküste legen wir noch einen Stopp am „Pulli Pank“ ein. Dahinter verbirgt sich ein „Kliff“. Für uns wurde aus einer Mücke ein Elefant gemacht …

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