14.08.2026
Wir nehmen uns Zeit für einen Abstecher Richtung Süden zur Marienburg, nach Malbork.
Am der Burg gegenüberliegenden Ufer der Nogat gibt es gut erreichbare Parkplätze. Von der Fußgängerbrücke gewinnen wir einen ersten Eindruck von den gewaltigen Dimensionen der Burganlage. Die Tickets haben wir am Vortag online erworben. So muss uns die Schlange an der Kasse nicht interessieren und wir lassen uns gleich einen Audioguide aushändigen. Entweder diese Option oder eine Führung – anders kann man die Burg nicht betreten.
Die Tonspur ist von einem deutschen Sprecher eingesprochen und wird uns nahezu drei Stunden (!) durch das Areal geleiten, was sehr gut funktioniert.
Die Anfänge der Burg gehen auf das 13. Jahrhundert zurück, als die Hochburg vom Orden der Brüder vom Deutschen Hospital Sankt Mariens in Jerusalem – dem Deutschritterorden – errichtet worden ist. Nachdem die Rittersleut im Heiligen Land Fersengeld geben mussten, haben sie den Nord-Osten als das Gebiet auserkoren, dessen Bewohner zum rechten Glauben bekehrt werden sollten. Im Laufe der Zeit entstand eine der größten Niederungsburgen Europas, mit Sicherheit der größte Ziegelsteinbau.



Die Führung beginnt in der Vorburg, die im Mittelalter im Wesentlichen der Versorgung der Burginsassen diente. Am Tor zur Mittelburg werden die Tickets kontrolliert. Obwohl unser Zeitslot noch nicht heran ist, werden wir eingelassen. Vom Innenhof aus erkunden wir Nacheinander den Hochmeister-Palast, den Sommer- und den Winter-Remter (Speisesaal). Letzterer war mit einer ausgeklügelten Warmluft-Heizung ausgestattet. An den Kapitellen der Säulen ist noch der mittelalterliche Figurenschmuck zu sehen. Schon im 19. Jahrhundert verfielen Teile der Burg und Wilhelm II. ließ sie wieder aufbauen – im neogotischen Stil. Also auch hier ist nicht alles Mittelalter, was so aussieht. Dazu kommen die Zerstörungen des zweiten Weltkriegs.



Schließlich gelangen wir in die Hochburg, in der einstmals die Ritter gemäß ihrer strengen Ordensregeln gelebt haben. Besonders eindrucksvoll ist die Schlosskirche. Die bei der Rekonstruktion ergänzten Mauern sind verputzt, die Original-Mauern sind steinsichtig.



Alles in Allem ist der Besuch ein lohnenswertes Unterfangen. Gutes Schuhwerk und einigermaßen Kondition sollte man mitbringen.
Bei unserer Abfahrt sind die Parkplätze gut gefüllt. Für uns geht es zurück Richtung Ostsee und dann weiter nach Osten, nach Darlowo (Rügenwalde). Der Schlossgasthof wird für eine Nacht unsere Herberge sein. Der sanierte Fachwerkbau von 1740 ist mit vielen Antiquitäten ausgestattet und verfügt über ein sehr gutes Restaurant, wie sich noch herausstellen sollte.
Aber zunächst erkunden wir auf einem Spaziergang die Altstadt von Rügenwalde. Das Schloss war früher der Sitz der Herzöge von Pommern. Die Innenstadt ist, nun ja, nicht ganz so toll …



Neben dem Gasthaus wird die Wieprza an einem Wehr angestaut. Angrenzend sitzen wir im Garten des Gasthauses und nehmen einen Schlummertrunk. Beim Blick in die Karte, in der Rubrik Vorspeisen, da steht es: Pommersche Teewurst. Na klar doch, Rügenwalder!
Viel interessanter ist der Hinweis, dass der Hausherr eine Reihe von Whisky-Spezialitäten vorrätig hat. Inzwischen hat uns Mark, der Chef des Hauses, in einem unverkennbar amerikanisch gefärbten Deutsch begrüßt. Der Mann stammt aus Colorado und hat – zumindest was Whisky anbelangt – einen sehr guten Geschmack und ich komme in den Genuss von zwei hervorragenden Highland-Whiskies. Ein schöner letzter Abend in Polen geht damit seinem Ende entgegen.
15.08.2026
Nach einem wieder einmal sehr guten Frühstück verlassen wir Rügenwalde und fahren weiter gen Osten. Schließlich überqueren wir in Swinemünde die Grenze und sind zurück in Deutschland. Vor uns liegt eine entspannte Woche in dem wunderschönen Ferienhaus „Klare Kante“ in Ückeritz. Andreas wird sich im Laufe der Woche versuchen zu erinnern, wie das Dörfchen 1971 bei seinem letzten Besuch aussah. Aber das ist nun wieder eine andere Geschichte.
– ENDE –