12.08.2026
Unser nächstes Ziel ist Danzig. Auf dem Weg liegt am Westrand Masurens die Stadt Olsztyn (Allenstein). Überraschend bergig bietet die Altstadt viele mittelalterliche Bauten wie ein wehrhaftes Stadttor, die St. Jacob geweihte Kirche oder das alte Rathaus. Und eine Empfehlung wert ist das gegenüber dem Rathaus befindliche „House Cafe“. Der Kaffee ist hervorragend und die präsentierten Torten und Kuchen laden zum Sündigen ein.




Je näher wir Danzig kommen, um so dichter wird der Verkehr. An einer Baustelle auf der Autobahn kommt es sogar zum Stau. Unser Hotel liegt am Rand des alten Hafens, genauer am Ufer der Mottlau, und ist gut erreichbar. Ein barockes Palais von 1727 – das „Haus zum Mohren“ – beherbergt das Hotel Podewils. Über dem Eingang ist der Mohrenkopf, das Wappen des Erbauers Strzycki, noch heute zu entdecken. Der Empfangschef überschüttet uns mit einem nicht enden wollenden Redeschwall und überschlägt sich förmlich vor Dienstbarkeit. Ein Vorzug des Hauses: Es verfügt über Stellplätze im Innenhof. Die Ausstattung ist dem Ambiente angepasst, aber nicht altmodisch.
Wir starten zu einem ersten Erkundungsgang. Erster Eindruck: Die Stadt ist völlig überlaufen. Ein Grund dafür dürfte der Dominikaner-Jahrmarkt sein. Morgen werden wir erfahren, dass ein Kreuzfahrer angelegt hat …
Abseits der vielen Buden, im Restaurant „Fish-Market“, finden wir auf der Terasse ein ruhiges Plätzchen und ein exquisites Angebot. So lässt sich aushalten …




13.08.2026
Silke hat uns um 10:30 Uhr für eine „Free-Walking-Tour“ eingebucht. Treffpunkt ist das „Goldene Tor“ am Ende der Langen Straße in der Altstadt. Es findet sich eine bunte Truppe zusammen und dann kommt auch Katie (eigentlich Katarzynia), die uns freundlich und in sehr gutem Englisch begrüßt. Die nächsten knapp drei Stunden wird sie uns viel zu Geschichte, Kultur und Architektur Danzigs erzählen. Was man bei der Betrachtung der vielen prächtigen Bauten im Hinterkopf behalten sollte: Als die Rote Armee 1945 bei ihrem Vormarsch Richtung Berlin Danzig einschloss und eroberte, wurden durch Artilleriebeschuss, Plünderung und Brandschatzung nahezu 90 % der Bauten im Altstadtareal zerstört. Was heute zu sehen ist wurde maßgeblich in den letzten 60 Jahren im historischen Stil neu gebaut.
Der Reichtum Danzigs im 16./17. Jahrhundert gründete hauptsächlich auf dem Weizenhandel. Deshalb umgaben das Hafenareal zahlreiche große Speicherhäuser.




Es gibt nicht wenige Stellen in Danzig, bei denen die Architektur an Amsterdam erinnert. Das hat seinen Grund: Flämische Mennoniten siedelten sich im 16. Jahrhundert in Danzig an. Prägend für das Stadtbild wurden die Bauten der Künstlerfamilie van den Blocke, unter anderem das Langgassen-Tor (oder Goldenes Tor), das Zeughaus, der Neptunbrunnen, …
Katie lotst uns rechtzeitig in die Marienkirche, so dass wir pünktlich um 12 Uhr das Figurentheater an der riesigen astronomischen Uhr erleben. Gegenüber der andächtigen Stille vieler Gotteshäuser ist die Marienkirche erfüllt von einem Stimmengewirr sondergleichen.


Die Tour endet im Hinterhof des ehemals polnische Postamts, das am 1. September 1939 von 50 Postbeamten über Stunden verteidigt wurde. Die Überlebenden wurden zum Tode verurteilt und an der Mauer in eben jenem Hinterhof erschossen.
Auch das gehört zur wechselvollen Geschichte Danzigs. Wir können eine Teilnahme an einer solchen Tour nur empfehlen. Falls diese in deutscher Sprache gewünscht ist, muss man sich bereits Tage vorher anmelden.
Einige der Sehenswürdigkeiten sehen wir uns noch von Innen an. So das Rechtstädtische Rathaus, in dem noch ein Raum original aus dem Mittelalter erhalten ist. Oder den überaus beeindruckenden Bernsteinaltar in der Brigittenkirche.


Unser Fazit: Danzig ist auf jeden Fall eine Reise wert, ein Tag ist schlichtweg zu wenig, wenn man sich nicht nur die Hauptattraktionen ansehen will. Vielleicht sollte der Besuch nicht unbedingt in der Hochsaison und noch dazu während der Jakobs-Messe stattfinden.